Deutsch-Türkische Hochzeit

 

Morgen, Kinder, wird's was geben...

Ich bin sooo aufgeregt, ich kann’s Euch gar nicht sagen! Ich fühl mich wie vorm ersten Date, ehrlich wahr! Morgen ist es nämlich so weit, ein monatelang gehütetes Geheimnis wird gelüftet: wir zeigen Euch unser erstes Styled Shoot! Ihr dürft Euch freuen auf ein farbenprächtiges Konzept, festgehalten in wunderschönen Aufnahmen und gespickt mit tollen Ideen, Freebies und viiielem mehr!!! Und das eine ganze Woche lang, denn es gibt viel zu zeigen! Ich bin so gespannt, was Ihr sagt!! 🙂

Pinar

Foto: Pink Pixel Photography

Gayret Kemeri ~ was tatsächlich hinter dem Hochzeitsbrauch des roten Brautgürtels steckt

Ich erhalte immer wieder Mails zum „roten Brautgürtel“, ein rotes Band, welches bei türkischen Hochzeiten der Braut traditionell am Hochzeitstag während der Brautabholung umgebunden wird. Für einen Großteil der Leute hat dieses rote Band nur eine Bedeutung, nämlich die Garantie für die Jungfräulichkeit der Braut und so scheiden sich bei dieser Tradition viele Geister.

Manche Bräute lehnen es ab, weil sie „nicht zur Schau gestellt werden“ wollen, manche fragen mich, wie schlimm es ist, wenn sie ihn nicht tragen, ob dann die Familie beleidigt sein wird und andere protestieren gegen diese – aus ihrer Sicht – symbolische Unterdrückung der Frau. Die meisten haben jedoch kaum Wissen über die Entstehung und Idee hinter diesem Brauch und reduzieren ihn auf eine einzige Bedeutung.

Die Bedeutung des Gayret Kemeri – dem roten Brautgürtel

Im Volksmund heißt das Band „Gelin kemeri“, also Brautgürtel, doch der eigentliche Name ist „Gayret kemeri“ und dieser verrät schon worum es bei dieser Tradition ursprünglich ging. Gayret bedeutet übersetzt Eifer, Hingabe Fleiß, Strebsamkeit. Früher waren die Töchter ein wichtiger Indikator für die Kultiviertheit der Familie. Wer anständige, fleißige und gebildete Töchter hatte, wurde respektiert und war angesehen.
Das Ansehen der Familien war wichtig, denn in der türkischen Kultur ist es noch heute so, dass nicht nur zwei Menschen heiraten, sondern man auch deren Familien und ihr Ansehen „mitheiratet“ und so prüfte man sich, bevor man sich ewig band…

Um also eine gute Partie für die Töchter zu finden, achtete man besonders auf deren Erziehung, Bildung und Benehmen. Wenn ein Mädchen dann heiratete wurde ihr der Gayret kemeri zum Symbol ihrer guten Erziehung, ihres guten Charakters und ihrer Bereitschaft eine gute Tochter und Ehefrau zu sein umgebunden. Man gab als Brautfamilie damit ein Versprechen an die Bräutigamfamilie, sein Bestes gegeben zu haben und eine gute Tochter zu übergeben und natürlich gehörte auch die Jungfräulichkeit der Braut dazu (wobei es damals auf der ganzen Welt üblich war, jungfräulich in die Ehe zu gehen). 

Gleichzeitig war das Band auch ein Symbol für die Verantwortung, die nun der Bräutigam und dessen Familie übernahmen. Die Brauteltern hatten für das Glück ihrer Tochter mit guter Erziehung etc. vorgesorgt und nun war es am Bräutigam und seiner Familie dies fortzuführen und das Glück der Braut sicherzustellen.

Wie der Gayret kemeri gebunden wird

Der Gayret kemeri wird der Braut am Tag der Hochzeit umgebunden, kurz bevor sie mit ihrem Bräutigam ihr Elternhaus verlässt. Als Oberhaupt der Familie wäre es die Aufgabe des Vaters, den Gürtel umzubinden, aber er kann und will es nicht, denn die Tochter aus dem Elternhaus zu entlassen ist der schwierigste Moment im Leben der Eltern.

Daher übernimmt der Bruder oder ein Onkel der Braut diese Aufgabe und bindet der Braut den Gürtel um. Jedoch ebenfalls nicht sofort, denn auch ihm fällt es schwer sie gehen zu lassen. Er bindet die Schleife und löst sie wieder, bindet und löst sie wieder, bindet und löst sie wieder – langsam und insgesamt drei Mal, bis er die Schleife endgültig fest bindet. Anschließend nimmt er die Hände der Braut und legt sie in die Hände des Bräutigams, womit er die Verantwortung für ihr gutes und glückliches Leben symbolisch in seine Hände legt. 

Gayret kemeri – ist das noch zeitgemäß?

Die Betrachtung der Tochter als „Gut“ oder Garant für Ansehen und Ehre einer Familie ist nicht richtig, das steht außer Frage. Gleichzeitig denke ich, dass viele Familien den Brauch gar nicht mit diesem Gedanken leben, da sie den Ursprung des Brauchs oft gar nicht kennen. Vielmehr wird das Umlegen des roten Bandes als Teil der Abschiedszeremonie während der Brautabholung gelebt. Dabei wird die Tochter und Schwester, die nun erwachsen ist und ihre eigene Familie gründet, von den engsten Familienmitgliedern verabschiedet. Es ist für alle Anwesenden, ganz besonders für Vater und Tochter, ein sehr emotionaler Moment bei dem beiden bewusst wird, dass nun ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Wenn ich von einer Braut gefragt werde, ob sie den Brautgürtel tragen soll, ob das noch zeitgemäß ist als selbstbewusste und selbstbestimmte Frau, dann empfehle ich sich selbst zu befragen, wofür man diesen Brauch zelebrieren will. Geht es um den „Abschied“ von der Familie, vom Vater?  Könnte sie sich auch anders verabschieden? Oder ist ihr die Symbolik der Gürtel Zeremonie wichtig (dass der Vater es nicht binden kann…)? Mit was verbindet die Braut den Gürtel? Mit was verbindet ihn die Familie? Fühlt sich beides gut und richtig für die Braut an? Ja? Dann sollte man als selbstbestimmte Braut sich für das entscheiden, was sich gut anfühlt und darauf pfeifen, was zeitgemäß ist und was nicht.

Pinar

 

evetichwill.de bei Instagram

Instagram
Die Antwort von Instagram enthielt ungültige Daten.

Coaching & Beratung für Selbstständige Kreative

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite weiterhin besuchen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.

Okay!