Verlobung auf Türkisch: Nişan

Ursprünglich folgte die Verlobung einige Zeit nach dem Sözlük, wenn die Familien sich besser kennengelernt hatten und gut miteinander auskamen. Durch die Verlobungsfeier wurde der Zusammenschluss des Paares und deren Familien offiziell und die Hochzeit war nicht mehr fern.

Verlobung auf traditionell türkische Art

Die Verlobungszeit wurde genutzt, um den zukünftigen Hausstand zu planen und Modalitäten der Hochzeit zu klären. Dazu gehörte z.B. wer was für den zukünftigen Hausstand besorgt und was die Braut von der Bräutigamfamilie als Geschenk (Takı) erhalten wird. Zwar gab und gibt es in diesen Dingen regionale Unterschiede, aber noch heute ist zum Großteil folgendes die Regel:

  • Die Garderobe der Braut (Verlobungs- und Brautkleid) wird vom Bräutigam bzw. seinen Eltern gekauft.
  • Die Braut erhält ein Schmuckset zur Hochzeit und je nach Vermögen der Bräutigamfamilie Goldarmreifen und anderen Schmuck ohne Wertverlust („Takı“).
  • Die Brautfamilie stellt für den neuen Hausstand das Schlafzimmer und Weißwaren (Waschmaschine, Kühlschrank etc.) sowie Geschirr und Haushaltswaren, die in der Aussteuer der Braut enthalten sind.
  • Den restlichen Hausstand stellt dann der Bräutigam bzw. seine Familie.

Besonders das sogenannte Takı war ein wichtiger Punkt, denn er diente (neben dem Mehir) der Braut als finanzielle Absicherung, falls der Mann sie verließ oder verstarb. Dabei war es wichtig, dass die Bräutigameltern nicht geizten, denn das konnte schnell als Nichtwertschätzung der Braut verstanden werden.

Das Verlobungsfest selbst war und ist, verglichen mit den großen Hochzeiten, ein eher kleines Fest. Man feiert mit 50 – 150 Familienmitgliedern in einem Saal oder auch mit weniger Personen zu Hause, wobei das Fest von der Brautfamilie ausgerichtet und bezahlt wird. Die Verlobung wird in der Regel auch deshalb nicht so pompös gefeiert, da die Verlobungszeit nur kurz dauert und die Hochzeit schon spätestens ein Jahr nach der Verlobung folgt.

Wichtig zu wissen ist, dass bei der türkischen Verlobung die zukünftigen Eheringe angesteckt werden, d.h. sie müssen bereits zur Verlobungsfeier und nicht erst zur Hochzeit besorgt werden. Die Ringe werden vorerst an die rechten Ringfinger angesteckt und wandern erst bei der standesamtlichen Trauung auf die Ringfinger der linken Hand.
Bei Verlobung sind die Ringe ebenfalls wie beim Sözlük an ein rotes Band befestigt und werden von einer älteren Person übergeben, die auch das Band durchschneidet. War es beim Söz kesme noch ein Mitglied der Bräutigamfamilie, übernimmt bei der Verlobung ein Mitglied der Brautfamilie diese Aufgabe.

Nişan Bohçasι

Ein weiterer Brauch zur Verlobung war, dass die Eltern dem Schwiegersohn bzw. der Schwiegertochter in spe ein Geschenkpaket schicken – das Nişan Bohçasι.
Aber auch Geschwister, Tanten und Onkel konnten das Paar beschenken und in der Regel enthielten die Pakete Geschenke für den Alltag und besondere Kleidung, also Unterwäsche, Make up für Sie, Rasierzeug für Ihn, ein schönes Kleider bzw. Anzug, Schuhe oder Taschen. Um nichts Unnützes zu schenken, klärte man schon während vorheriger Besuche was Braut und Bräutigam benötigen.

Nach altem Brauch wurden die Geschenke in ein großes verziertes Tuch gelegt, dass dann entweder eingeschlagen oder zu einem Bündel geschnürt wurde. Dieses spezielle Tuch als auch das Bündel, das man daraus schnürt, nannte bzw. nennt man Bohça, daher der Name „Nişan Bohça“. Früher bestickten und schmückten die Familien die Tücher in feiner Handarbeit und zeigten damit ihre Wertschätzung.

Auch heute werden in traditionsbewussten Familien symbolisch Nişan Bohçasι übergeben, jedoch greift man heute gerne aufwendig verzierte Tücher, Taschen oder sogar kleine Truhen, die in Hochzeitsläden verkauft werden zurück, statt die Tücher selbst zu besticken. Geschenkt werden meist besondere Dinge wie ein Seidennachthemd und Morgenmantel oder besondere Utensilien wie verzierte Handspiegel. 

Wann die Geschenke einander übergeben werden, ist von Region zu Region unterschiedlich. Mancherorts ist es üblich das Nişan Bohçası vor der Verlobung zu schenken und in anderen Regionen wiederum erhält die Braut ihr Bohça vor der Verlobung und der Bräutigam erst danach. Das Nişan Bohçası ist ein Brauch, der den Familien die gegenseitige Wertschätzung zeigen soll und nicht dazu dient, mit Geschenken zu protzen und unnötig Geld auszugeben. Beide Familien werden im Laufe der Verlobungs- und Hochzeitsfeier noch genug Geld ausgeben und da darf man das Bohça ruhig effektiver füllen. Natürlich diente der Brauch des Nişan Bohçası (wie viele andere Traditionen) dazu, dass sich die Familien durch die gegenseitigen Besuche und Geschenke kennenlernten und als neue Familie zusammen wuchsen. Auch heutzutage wünschen sich viele Eltern ein reges Miteinander als neue große Familie und hierfür sind die Bräuche wie das Nişan Bohçası immer noch nützlich.

 

 

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