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Hochzeitsbräuche & Traditionen

 

Kann ich, darf ich, wie soll ich? Antworten auf Eure Hochzeitsfragen

01.05.2015 | 0 Kommentare

Hallo meine Lieben, heute hab ich wieder ein paar Antworten auf Eure Hochzeitsfragen bezüglich türkischer Hochzeitbräuche. Falls danach immer noch ein paar Fragezeichen in Eurem Kopf rumschwirren, einfach unten ins Kommentarfeld reinschreiben und ich versuche alles schnellstmöglich zu beantworten. Also, los geht’s!

Pinar
 

Wie kann man das Takι am besten einplanen und auf schöne Art und Weise zelebrieren?
Zuallererst muss man wissen, dass zwar das Takι eine wichtige Tradition ist, aber die lauthalse Verkündung der Geschenke nicht. Diese schlimme „Moderation“ hat sich irgendwie ergeben und festgesetzt, komischerweise nur bei türkischen Gemeinden im Ausland – lange Rede kurzer Sinn: Ihr könnt die Moderation getrost weglassen. Da das Takι an sich aber viel Zeit in Anspruch nimmt, sollte man es gut planen und grundsätzlich solltet Ihr entscheiden, ob Ihr daraus eine traditionelle Zeremonie machen wollt, bei der alle Gäste zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Geschenke übergeben oder ob, Ihr es freier gestalten wollt. Auch die Art der Übergabe muss entschieden werden. Dabei ist das Anheften der Geldscheine an Kleidung oder ein Satinband kein Muss, hübscher und einfacher ist es, für die Geldgeschenke eine Briefbox oä. bereitzustellen.
 
Nun zum Ablauf: Bei kleinen Hochzeiten kann man das Takι sicher freier gestalten, z.B. kann das Brautpaar selbst von Tisch zu Tisch gehen, kurz die Gäste begrüßen und dabei die Geschenke entgegennehmen. Die Trauzeugen oder zwei Schwestern des Brautpaares können das Brautpaar dabei begleiten und sich um die Verwahrung der Geschenke kümmern. Eine kurze Ankündigung durch die Band bevor es losgeht wäre gut, damit die Gäste im Saal bleiben und ihre Geschenke bereithalten können. Bei dieser Form der Geschenkübergabe freuen sich natürlich die Gäste, denn sie werden vom Brautpaar besucht und haben die Gelegenheit kurz zu plaudern. Das Brautpaar wiederum muss aufpassen, dass man sich nicht verquatscht und den Zeitrahmen sprengt.
Bei großen Hochzeiten sollte das Brautpaar nicht rumgehen, da sonst viel Zeit verloren gehen würde. Will man keine lange Unterbrechung des Festes durch das Takι, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Takι wird am Hochzeitstisch durch die Eltern eröffnet, die ihre Geschenke immer zuerst übergeben und anschließend verkündet die Band, dass nun alle Gäste die Gelegenheit haben ihre Geschenke zu übergeben, man aber weiter Musik spielen werde, damit das Fest weitergeht.
Bei der zweiten Version gibt es nur einen Geschenketisch und kein offizielles, zeitlich geregeltes Takι, d.h. jeder Gast kann dem Brautpaar sein Geschenk übergeben, wann er möchte oder es am Geschenketisch ablegen wo z.B. auch eine Briefbox bereit steht. Der Nachteil an dieser Version ist, dass manche Gäste sich nicht trauen, einfach zum Brautpaar zu gehen, weil es immer belagert ist und sie nicht wissen, wann es passend ist. Im schlimmsten Fall geben sie deswegen ihr Geschenk nicht persönlich ab, sondern legen es einfach auf den Geschenktisch ohne das Brautpaar zu sprechen.

Egal für welche Version man sich entscheidet, man sollte die Gäste immer informieren, was geplant ist. Besonders, wenn das Geld nicht angeheftet, sondern in die Briefbox kommt, muss man die Gäste darauf vorbereiten und für Briefumschläge sorgen, damit die Gäste nicht peinlich berührt sind, weil sie einem einen Geldschein „in die Hand drücken“. Um den Ablauf des Takιs zu kommunizieren könnt Ihr kleine Infoschilder (z.B. in Bilderrahmen) auf den Tischen verteilen und auch elegante Briefkuverts (& Stift) dazulegen. Ihr könnt die Info & Kuverts aber natürlich auch auf dem Geschenketisch platzieren, dieser sollte dann aber immer so sichtbar positioniert sein, dass keiner die Info verpasst.

Ist eine Tischordnung bei türkischen Hochzeiten sinnvoll?
Egal ob 40 oder 400 Gäste, ich empfehle immer eine Tischordnung, sonst herrscht Chaos. Eventuell sind das nicht alle türkischen Gäste gewohnt, daher solltet Ihr vor dem Saal deutlich sichtbar die Tischordnung anbringen, der mit einem Satz wie „Herzlich willkommen, nehmt Platz!“ versehen ist und damit auch Aufmerksamkeit erregt. Außerdem könnt Ihr Eure Geschwister oder Cousinen bitten, den Gästen bei der Suche nach ihrem Platz  zu helfen. Normalerweise listet man die Tische auf und schreibt dort die Namen der jeweiligen Gäste rein, aber bei 400 Gästen bietet es sich an, es andersherum zu machen – also eine alphabetisch sortierte Namensliste zu schreiben, bei der die Tischnummer neben dem entsprechenden Namen steht.
Zusätzliche Platzkarten sind zwar sehr hübsch, aber bei großer Gästezahl ein immenser Zeitaufwand und auch ein Kostenpunkt, den man getrost einsparen kann.

Woher finde ich einen Pfarrer und Imam für die Freie Trauung?
Leider gibt es hier keine einfache Antwort, da die Teilnahme an einer Freien Trauung bei beiden Geistlichen eine rein persönliche und freie Entscheidung ist. Daher muss man tatsächlich die Kirchen und Moscheen der Gemeinden aufsuchen und die Geistlichen direkt befragen. Wichtig wäre, dass Ihr Euch vorher Gedanken über Inhalt und Ablauf der Trauungszeremonie macht und auch wisst, welche Parts die Geistlichen übernehmen sollen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Geistlichen gerade dann überzeugt sind, wenn vor ihnen ein Paar steht, dass sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat und weiß wie die Religionen eingebunden werden sollen. Eine einfache Anfrage nach dem Motto „wir wissen noch nicht wie es werden soll, aber wir wollten schon mal wissen, ob sie das machen“ wird meist mit einem „nein“ beantwortet, weil ihnen (aus ihrer Sicht) die Ernsthaftigkeit fehlt.    

Wie gestaltet man die Brautabholung, wenn man direkt in der Location vorbereitet wird?
Wer bereits am Vorabend oder in der Früh das Elternhaus verlässt, aber nicht auf die Brautabholung verzichten möchte, kann sie ganz einfach vorziehen. Besonders bei Hochzeiten in der Türkei ist es inzwischen tatsächlich so, dass viele Bräute sich in der Früh dezent schick machen, z.B. mit einem hübschen weißen Kleid (manche sogar mit Schleier) und sich dann traditionell vom Bräutigam und seiner Familie abholen lassen. Auch das Gayret Kemeri wird angelegt, manchmal auch später im Hotel nochmal…Danach geht es gemeinsam mit dem Bräutigam und den engsten Freunden ins Hotel, wo sie sich dann gemeinsam vorbereiten lassen.
Es gibt aber auch Bräute, die nicht direkt in der Location, sondern in einem nahegelegenen Hotel vorbereitet werden und dann wird die Brautabholung eben dort in der Suite zelebriert. Manchmal muss man es eben praktisch handhaben, wenn es nicht anders geht und emotional wird es immer sein, egal wo die Braut sich von ihrer Familie verabschiedet und was sie dabei trägt.

Dürfen wir die Gäste bitten, ohne ihre Kinder zur Hochzeit zu kommen?
Ganz ehrlich? Nein. Bei türkischen Hochzeiten ist das im Prinzip ein Tabu und im türkischen Kulturkreis auch absolut nicht nachvollziehbar, warum Kinder nicht willkommen sein sollten. Vor allem die Kinder naher Verwandter werden als selbstverständliche Gäste angesehen. Ausnahmen gibt es höchstens, z.B. wenn die Location die Sicherheit der Kinder gefährdet (Hochzeiten an Strand, Pool, See usw.) oder wenn man eine high-end Hochzeit feiert. Die meisten türkischen Gäste werden aber immer davon ausgehen, dass sie ihre Kinder mitbringen dürfen und daher empfehle ich lieber eine Lösung für Kinderbetreuung zu suchen, als sich den Diskussionen der Familie auszusetzen. Wenn es nicht gerade 30 Kinder sind, dann findet man hierzu auch immer eine adäquate Lösung.   

Hochzeitshäppchen: Eine lustige Alternative zum Brautstrauß werfen

08.03.2015 | 2 Kommentare

Ein Highlight für die Freundinnen der Braut ist natürlich das Brautstrauß werfen. Ok, manche verstecken sich auch gerne in dem Moment, aber der Großteil macht mit und wartet gebannt darauf in welchen Händen der Strauß landet. Bei so einem Wurf kann aber auch mal was schief gehen, der Strauß landet am Boden oder wird beim Fangen ordentlich demoliert. Aber vor allem ist der Moment leider im wahrsten Sinne auch schnell verflogen…

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Kann ich, darf ich, wie soll ich? Antworten auf Eure Hochzeitsfragen!

18.01.2015 | 0 Kommentare

Jede Woche erreichen mich E-Mails mit Fragen zu Hochzeitsplanung, Traditionen und vor allem wie man „typische Probleme“ bei türkischen Hochzeiten umschiffen kann. Meist sind es die gleichen Fragen, die jedem türkischen oder binationalen Brautpaar im Kopf schwirren und so dachte ich mir, ich schreibe Euch hier regelmäßig die häufigsten Fragen und meine Antwort dazu auf, damit alle was davon haben. Also, los geht’s!
 

Muss ich jeden Brauch aus der Kultur meines Partners übernehmen oder „darf“ man auch etwas weglassen?
Da es bei dieser Frage meist nicht nur um Hochzeitsbräuche, sondern auch generelle kulturelle Elemente ging, teile ich die Antwort auf.

Hochzeitstraditionen – Es gibt Traditionen, wie z.B. die Kιna gecesi oder auch die Brautabholung, die man nicht übernehmen braucht, wenn man selbst nicht Türkin ist (aber durchaus übernehmen kann, wenn man großen Gefallen daran findet). Darüber hinaus stellt sich die Frage welche Tradition ist dem Partner selbst wichtig und welche den beiden Elternpaaren. Hat man die wichtigsten Traditionen bestimmt und sich mit deren Sinn beschäftigit, dann sollte jedes Brautpaar für sich besprechen, ob und wie man die Bräuche übernehmen und wie man die Hochzeitsstile beider Kulturen harmonisch vereinen will. Setzt Euch dafür zuerst zu Zweit zusammen und geht von A-Z alles durch. Und ich meine Alles. Von den Inhalten, dem Tagesablauf, dem Hochzeitstil, das Essen, die maximale Gästezahl, welche Freunde/Familienmitglieder sollen wie beteiligt werden, wo seid Ihr bereit Kompromisse zu machen, was könnte für Eure Eltern problematisch werden und wie wollt Ihr darauf reagieren und und und. Das ist wichtig, denn Eure Eltern und Familien werden viele Fragen stellen und auch viele eigene Meinungen haben, die aus ihrer Sicht die besten sein werden und hierauf müsst Ihr beide als Einheit reagieren. Solange Ihr Euch noch nicht alles zurecht gelegt habt, könnt Ihr auf Fragen immer antworten: „ach, ist ja noch so lange hin, da mach ich mir noch keine Gedanken, aber gut das du es erwähnst“. 
 
Kulturelle Elemente – Auf die Frage welche Teile man aus der Kultur des Partners übernehmen „muss“ gibt es keine richtige Antwort, denn sie hängt von Euch und Eurem Partner ab. Ich war selbst in einer deutsch-türkischen Beziehung und kann hierzu nur einen Tipp aus meiner persönlichen Erfahrung geben: In Sachen Kultur und Brauch würde ich Euch empfehlen, mich nie zu fragen, ob ich etwas weglassen „darf“, sondern ob ich es „soll“ und wirklich unbedingt „will“. Man liebt ja einen Menschen in seinem Ganzen und dazu gehört eben auch die Kultur, die ihn geprägt und zu dem Menschen gemacht hat, in den ich mich verliebt habe. Auch seine Eltern, seine Familie und ihre Art zu leben gehören dazu und so muss man sich einfach bewusst sein, dass Traditionen und Bräuche aus der Kultur meines Partners mir nicht nur zur Hochzeit, sondern auch danach in unserem ganzen gemeinsamen Leben begegnen werden. Die andere Kultur wird also  durch den Menschen an meiner Seite logischerweise auch ein neuer Teil meines Lebens werden und diesen Teil auszublenden oder gar abzulehnen wäre fatal. Daher lebe ich nach dem Prinzip: solange ein Brauch mir persönlich nicht schadet, mich nicht in meiner Persönlichkeit begrenzt, begegne ich diesem immer offen und tolerant und teile ihn bewusst mit dem Menschen den ich liebe.      

Um unsere Hochzeit nach unseren Vorstellungen zu planen, möchten wir sie selbst finanzieren, wie bringen wir das den Eltern am besten bei?
Dies ist eines der Probleme, die mir persönlich die größten Bauchschmerzen bereiten, da es nicht einfach zu lösen ist. So sehr ich verstehe, dass die heutigen Brautpaare alles selbst planen und entscheiden wollen, so ist es nunmal eine Tatsache, dass die meisten Eltern noch in alten Traditionswerten stecken. Dazu gehört, dass die Eltern die Hochzeit des Kindes ein Leben lang herbei sehnen und es als eine Lebensaufgabe verstehen, ihre Kinder gut zu verheiraten und ihnen den Start in das neue Leben finanziell zu ermöglichen. Entscheidet sich also ein Brautpaar gegen die Einbeziehung der Eltern, sei es in finanzieller oder auch organisatorischer Hinsicht, dann werden die Eltern sicher am Boden zerstört sein und sich ihrer Lebensaufgabe beraubt fühlen. Es sind ja im Grunde auch ehrbare Werte und man muss einen guten Mittelweg finden, wenn man vermeiden will, die Eltern zu verletzen. Bezieht sie soweit es Euch möglich ist mit ein, klärt was ihnen wirklich wichtig ist und lasst Sie einen bestimmten Teil, z.B. das Essen oder Eure Flitterwochen zahlen. Begründet Eure Entscheidung selbst zu zahlen, nicht einfach mit „wir wollen nach unseren Vorstellungen feiern“ sondern sagt ihnen, dass ihr dankbar für das Geld seid, aber lieber wollt, dass sie es für sich als Altersvorsorge aufbewahren oder später wenn Kinder kommen und man da mal Hilfe braucht, es eine gute Unterstützung wäre. Bietet Ihnen Alternativen, aber bitte entsagt ihnen nicht einfach die Teilnahme.

Wie mache ich den Gästen klar, dass man nicht (wie sonst üblich) andere Gäste mitnehmen darf?
Hier gibt es verschiedene Wege, sei es im Einladungstext mit den Worten „kleine familiäre Feier“ oder „im engsten Familienkreis“ den Wink mit dem Zaunpfahl einzuarbeiten oder man legt eine Antwortkarte bei, in der man ankreuzen muss „wir kommen alleine“ oder „wir bringen unsere X Kinder mit“. So versteht jeder, dass außer den Kindern sonst keiner zusätzlich eingeladen ist. Außerdem kann man auf das Briefkuvert nur die beiden Namen der Eingeladenen schreiben und nicht, wie früher üblich, Familie XY. Aber vor allem würde ich in Gesprächen mit der Familie immer wieder die Info streuen, dass man selbst leider nicht jeden einladen konnte und daher das Mitbringen von Gästen nicht möglich ist. Auf den türkischen Familien-Flurfunk ist immer Verlass und so wird sich diese Information dann auch gut verbreiten 🙂

Wie vermeiden wir, dass die Gäste zu spät kommen und das Programm – vor allem die Menüfolge – durcheinander bringen?
Auch hier muss man sich wieder an der Einladung und dem Familien-Flurfunk bedienen. Bei der Einladung empfiehlt es sich eine Uhrzeit anzugeben, die den Einlass zum Saal angibt (kann man auch als Empfang oä betiteln) und eine zweite Uhrzeit, die explizit die Uhrzeit des Essens angibt (siehe dazu auch unsere Einladungstexte). Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch hier auf der Antwortkarte zur Wahl stellen, ob man zum Essen kommt oder nicht, dann dürfte jeder verstehen, dass es sich um ein wichtiges Detail handelt.

Wie lange darf das Essen dauern und sind Reden, wie bei deutschen Hochzeiten, in Ordnung?
Natürlich sind Reden in Ordnung und auch eine schöne Erinnerung, daher immer her damit! Wichtig wäre, dass man sie in der Sprache hält, die ein Großteil der Gäste versteht oder sonst für eine Übersetzung sorgt. 
Das Essen selbst sollte nicht zu lange dauern, denn solange man isst, kann man nicht tanzen und das ist für den türkischen Gästeanteil sehr langweilig. Feiern und tanzen ist ihnen einfach wichtiger und daher solltet ihr zwischen den Gängen einfach nicht zu viel Zeit lassen oder das Essen richtig lang ausdehnen und mit zwischenzeitlichen Tanzeinlagen füllen.
 

So, dass waren die ersten Fragen & Antworten und ich hoffe damit sind schon mal einige Fragezeichen weniger auf Eurer Liste. Falls Ihr zu den oben behandelten Themen noch Fragen habt, dann einfach ins Kommentarfeld eintragen und ich antworte dann schnellstmöglich dazu. Beim nächsten Mal geht es dann um das Handling der Geschenkübergabe (Takι), Kinder auf Hochzeiten und andere Themen. Schönen Sonntag Ihr Lieben!

Pinar

Kina gecesi - ein bittersüßes Fest

06.05.2014 | 0 Kommentare

Die Kina gecesi (Henna Abend) ist eine der ältesten Hochzeitstraditionen in der Türkei. Bei diesem Fest „verabschiedet“ sich die Braut im Kreise ihrer weiblichen Verwandten und Freundinnen von ihrem Elternhaus. Das Fest ist eigentlich fröhlich, denn es wird getanzt, gesungen und gegessen. Jedoch ist die Henna Zeremonie selbst ein melancholischer Augenblick, bei dem die Frauen traurige Lieder singen und die Braut ihre Hennabemalung erhält. Der Ablauf der Kina gecesi kann je nach Region in der Türkei unterschiedlich ausfallen, aber alle Rituale dienen dem Wunsch, dass die Ehe der Braut glücklich, fruchtbar und reich sein möge.

Somit basieren viele der Rituale nicht auf islamischer Tradition, sondern entspringen viel mehr dem Aberglauben früherer Zeiten, in denen bestimmten Elementen (z.B. Henna) heilende Kräfte nachgesagt wurde und Farben mit Symbolik verwendet wurden, wie z.B. die Farbe Rot, welche für Fruchtbarkeit, Liebe und Wohlstand stand und heute noch steht.

Kina gecesi traditionell

Ursprünglich fand das Fest am Tag vor der Hochzeit im Hause der Brauteltern statt, wobei nur weibliche Familienmitglieder und Freunde der Familien eingeladen waren. Zu diesem Anlass trug die Braut ein „Bindallı“, eine Art Kaftan in Rot mit goldenen Verzierungen. Im Gegensatz zu Verlobung oder Hochzeit wurde bei der Kina gecesi nicht groß aufgekocht, sondern „nur“ Vorspeisen und Knabberzeug bereitgestellt und teilweise auch von den Gästen mitgebracht.

Zuerst feierten die Braut und ihre Familienmitglieder unter sich mit Musik und Tanz bis am späteren Abend die Bräutigamfamilie feierlich, von Musikanten (meist Davul Zurna) begleitet, mit dem mühevoll aufbereiteten und verzierten Henna und verschiedenen Speisen im Haus der Brauteltern eintrafen. Nach gemeinsamen Essen und Tanzen, begann die Hennazeremonie.

Hierfür wurde die Braut mit einem roten Tuch das mit Goldtalern verziert war verschleiert und von ihren Verwandten und Freundinnen, die brennende Kerzen in den Händen hielten in den Raum hereingeführt. Dabei ging die Schwester der Braut mit dem geschmückten Hennatablett voran, auf dem zwei Kerzen brannten (symbolisch für den Sohn und die Tochter, die man der Braut wünschte), gefolgt von der Braut die bei einer verheirateten und einer unverheirateten Verwandten/Freundin eingehackt war. Bis auf die Braut sangen alle Frauen traurige Lieder, die die Braut zum Weinen bringen sollten. In der Mitte des Raumes war eine Fläche für die Zeremonie rot geschmückt und mit einem verzierten Kissen vorbereitet, um die die Braut und ihre Begleiterinnen nun mindestens drei Mal herumliefen. Dabei versuchte man die Braut nach jeder Runde auf das Kissen zu setzen, diese stand aber wieder auf und ging noch einmal um das Kissen herum, bis die Braut (frühestens) beim dritten Mal sitzen blieb.

Dieses symbolische Zieren der Braut und auch das sie während der Zeremonie weinte gehörte zur Tradition, denn die Braut zeigte dadurch ihren Eltern, wie ungern sie diese verlässt, auch wenn sie nun ihren eigenen Weg geht. Ebenso beim Auftragen der Hennabemalung zierte sich die Braut und öffnete nicht sofort ihre Hände, sondern erst nachdem ihr die Schwiegermutter liebe Worte zusprach und ihr einen Goldtaler schenkte, den sie ihr dann in die nun geöffnete rechte Hand legte. Die Hennabemalung übernahm traditionell eine glücklich verheiratete Frau, was der zukünftigen Ehe der Braut Glück bringen sollte.

Meist wurde das Henna kreisförmig auf die Handinnenflächen aufgetragen, was man „Kuşgözü“ nannte. Die mit Henna bemalten Hände wurden dann in Tücher eingewickelt und die Braut aufgefordert den Schleier abzulegen und zu tanzen, damit aus der melancholischen Stimmung schnell wieder eine fröhliche wurde. Ein beliebter Brauch war es, der Braut nun zu versuchen den Schleier zu „klauen“, denn wer dies schaffte, konnte bald auf eine eigene Hochzeit hoffen. Im Anschluss der Hennazeremonie wurde das Henna an die Gäste verteilt, die dadurch auch etwas von dem Glück der Braut bekamen und auch ins Haus der Bräutigamfamilie wurde etwas von dem Henna geschickt. Dort feierte nämlich der Bräutigam zeitgleich eine Art Junggesellenabschied mit seinen männlichen Verwandten und Freunden und erhielt mit dem Henna der Braut ebenfalls eine Hennabemalung, wobei meist die Fingerkuppe des kleinen Fingers bemalt wurde.

Kina gecesi heute

Auch wenn der Aberglaube heute nicht mehr die treibende Kraft ist, hat die Kına gecesi noch heute einen hohen Stellenwert in türkischen Familien und der Brauch wird weiterhin gelebt – eben nur zeitgemäßer. Deshalb wird heute der Henna Abend meist ein bis zwei Wochen vor der Hochzeit gefeiert und nicht am Abend zuvor. Das Fest findet auch nicht mehr im Haus der Brauteltern statt, sondern in einer gemieteten Location, wo meist ein DJ für Musik sorgt und beide Familien von Beginn an gemeinsam feiern und auch zusammen für das leibliche Wohl sorgen.

Gefeiert wird das Fest auch nicht mehr allein von den Frauen, auch Männer dürfen heute mitfeiern, wenn beide Familien einverstanden sind. Dabei können die Herren von Anfang an dabei sein oder sie nehmen in einem separaten Bereich/Raum an einem „Männertisch“ Platz bis sie am Ende der Hennazeremonie dazukommen dürfen, wenn auch der Bräutigam seine Hennabemalung erhält. Erst anschließend wird dann gemeinsam gefeiert und getanzt.

Auch für die Braut hat sich einiges geändert, zum Beispiel bei der Kleidung. Das traditionelle Bindallı wird heute nur noch zur Henna Zeremonie angezogen und den Rest des Abends kleidet sich die Braut in einem eleganten Abendkleid – ebenfalls gerne in Rot. Die Henna Zeremonie ist zwar weiterhin melancholisch und auch das symbolische Zieren der Braut gehört weiterhin dazu, doch kaum einer erwartet heutzutage von der Braut, dass sie weint, weil sie ihre Eltern „verlässt“. Im Gegenteil, wenn die partout nicht weint nimmt es mit Humor und nimmt die Braut einbisscchen aufs Korn.

In der Türkei hat sich zudem der Trend entwickelt, den Henna Abend mit dem Junggesellinnenabschied zusammenzulegen und gemeinsam mit den Freundinnen zu feiern – immerhin ist ein DJ schon da und für Verpflegung ist auch gesorgt. Warum also nicht?!

Kina gecesi Lieder

Die Lieder, „Kina türküleri“ gennant, sind mündlich überliefert, daher gibt es keine Aufzeichnungen der ursprünglichen Texte. Alle Lieder vereint jedoch das sie von Abschied, Sehnsucht und Trauer handeln. Das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die Braut früher tatsächich ihre Familie verließ und zur Familie des Mannes zog, die meist in anderen Dörfern oder Orten lebten.

Welche Lieder gesungen werden ist von Region zu Region unterschiedlich, aber das wohl meist gesungene Henna Abend Lied „Yüksek yüksek tepelere“ hat folgenden Text:

Yüksek yüksek tepelere ev kurmasınlar,
Aşrı aşrı memlekete kız vermesinler,
Annesinin bir tanesini hor görmesinler,
Uçanda kuşlara malum olsun,
Ben annemi özledim,
Hem annemi hem babamı,
Ben köyümü özledim.

Babamın bir atı olsa uçsa da gelse,
Annemin yelkeni olsa binse de gelse,
Kardeşlerim yollarını bilse de gelse,
Uçanda kuşlara malum olsun,
Ben annemi özledim,
Hem annemi hem babamı,
Ben köyümü özledim.

Sinngemäß wird besungen, dass die Braut nicht in die Ferne ziehen und man sie gut behandeln soll. Die Braut wiederum klagt von der Sehnsucht nach ihrer Familie und wünscht sich ihre Liebsten herbei. Ein sehr trauriges Lied, dass melodisch sehr schön klingt und mit dem traditioniell die Henna Zeremonie eröffnet wird.

 

Fotos: Evet ich will Styled Shoot mit Pink Pixel Photography

Gayret Kemeri ~ was tatsächlich hinter dem Hochzeitsbrauch des roten Brautgürtels steckt

26.05.2013 | 9 Kommentare

Ich erhalte immer wieder Mails zum „roten Brautgürtel“, ein rotes Band, welches bei türkischen Hochzeiten der Braut traditionell am Hochzeitstag während der Brautabholung umgebunden wird. Für einen Großteil der Leute hat dieses rote Band nur eine Bedeutung, nämlich die Garantie für die Jungfräulichkeit der Braut und so scheiden sich bei dieser Tradition viele Geister. Manche Bräute lehnen es ab, weil sie „nicht zur Schau gestellt werden“ wollen, manche fragen mich, wie schlimm es ist, wenn sie ihn nicht tragen, ob dann die Familie beleidigt sein wird und andere protestieren gegen diese – aus ihrer Sicht – symbolische Unterdrückung der Frau. Ich bin dann immer wieder sehr traurig darüber, dass eine wundervolle Hochzeitstradition auf eine einzige Bedeutung reduziert wird und deshalb so in die Kritik gerät. Ich bin ein Verfechter der Tradition des Brautgürtels, ich finde er hat eine einzigartige Symbolik und der Moment, wenn der Gürtel umgebunden wird ist ein so wunderschöner, emotionaler Augenblick. Ich mag diesen Brauch, weil ich dessen Ursprung und wahre Bedeutung kenne, von denen aber heute leider kaum einer mehr etwas zu wissen scheint.

Im Volksmund heißt das Band „Gelin kemeri“, also Brautgürtel, doch der eigentliche Name ist „Gayret kemeri“ und dieser verrät schon worum es bei dieser Tradition ursprünglich ging. Gayret bedeutet übersetzt Eifer, Hingabe Fleiß, Strebsamkeit. Früher waren die Töchter ein wichtiger Indikator für die Kultiviertheit der Familie. Wer anständige, fleißige und gebildete Töchter hatte, wurde respektiert und war angesehen. Das Ansehen der Familien war wichtig, denn in der türkischen Kultur ist es noch heute so, dass nicht nur zwei Menschen heiraten, sondern man auch deren Familien und ihr Ansehen „mitheiratet“ und so prüfte man sich, bevor man sich ewig band… Um also eine gute Partie für die Töchter zu finden, achtete man besonders auf deren Erziehung, Bildung und Benehmen. Wenn ein Mädchen dann heiratete wurde ihr der Gayret kemeri zum Symbol ihrer guten Erziehung, ihres guten Charakters und ihrer Bereitschaft eine gute Tochter und Ehefrau zu sein umgebunden. Man gab als Brautfamilie damit ein Versprechen an die Bräutigamfamilie, sein Bestes gegeben zu haben und eine gute Tochter zu übergeben und natürlich gehörte auch die Jungfräulichkeit der Braut dazu (wobei es damals auf der ganzen Welt üblich war, jungfräulich in die Ehe zu gehen). 
Das eigentlich besondere am Gayret kemeri ist jedoch die Zeremonie des Umbindens, am Tag der Hochzeit. Als Oberhaupt der Familie wäre es die Aufgabe des Vaters, den Gürtel umzubinden, aber er kann und will es nicht, denn die Tochter aus dem Elternhaus zu entlassen ist der schwierigste Moment im Leben der Eltern. Daher übernimmt der Bruder oder ein Onkel der Braut diese Aufgabe und bindet der Braut den Gürtel um. Jedoch nicht sofort, denn – wie gesagt – es ist schwer sie gehen zu lassen. Er bindet die Schleife und löst sie wieder, bindet und löst sie wieder, bindet und löst sie wieder – langsam und insgesamt drei Mal, bis er die Schleife endgültig fest bindet. Anschließend nimmt er die Hände der Braut und legt sie in die Hände des Bräutigams, womit er die Verantwortung für ihr zukünftiges Leben symbolisch in seine Hände legt. 

Ich habe vielen meiner Bräute und sogar einigen Eltern die Tradition des Gayret kemeri erklären müssen, da nun mal die meisten nur die „reduzierte“ Bedeutung kennen. Nach den Erklärungen hatten alle eine ganz andere Bindung zu diesem Brauch und waren oft gerührt. Sie erlebten dadurch am Hochzeitstag diesen Brauch und das Ritual ganz anders, viel emotionaler, viel bewußter und die Bräute trugen ihr Gayret kemeri voller Stolz – so wie es einmal gedacht war. 
Bräuche sind in alten Zeiten entstanden, aber alt heißt nicht gleich altbacken. Schade ist nur, wenn im Laufe der Jahre das Gesamtbild vergessen wird und nur noch Fragmente erhalten bleiben. Wenn man den Brauch des Gayret kemeri in seiner ursprünglichen Art betrachtet ist es ein berührendes Ritual. Ich finde es schön, dass die Familie mit dem Band symbolisieren kann, dass sie für ihre Tochter das Beste gegeben haben und nun das gleiche vom Ehemann erwarten. Das dieser mindestens genauso toll wie die Braut sein muss, versteht sich von selbst und muss glaub ich nicht erwähnt werden 🙂

Ich sagte ja schon, ich bin eine Verfechterin dieses Brauches, so wie ich es bei vielen anderen schönen und sinnvollen Bräuchen bin. Das hat einen ganz simplen Grund. Eine Hochzeit lebt von Momenten, Symbolik und Zeremonien. Stellt Euch eine Hochzeit ohne Gelübde, Ringetausch und Jawort vor, wie undramatisch und emotionslos wäre das? Es wäre eine stinknormale Feier, nichts besonderes. Es sind immer die Bräuche und Rituale, die magische und emotionale Momente entstehen lassen, an die man sich dann später ganz besonders gern erinnert. Also lasst sie Euch nicht wegnehmen. Erkundigt Euch, wie ist der Brauch entstanden, welcher Sinn steckt dahinter und wenn ihr es dann tatsächlich doof findet, lasst es weg. Findet ihr es aber gut, dann setzt es auf Richtige und schöne Art und Weise um, damit Ihr später Euren Kindern davon erzählen könnt 😉

Pinar

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