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Eine bunte indisch-deutsche Hochzeit in Nagpur mit Alina Atzler Photography - 2. Tag

10.04.2018 | 0 Kommentare

Was war das für ein Start gestern! Seid Ihr auch schon so gespannt auf den zweiten Tag in Indien? Heute geht es zum traditionellen indischen Hochzeitsfest und Fotografin Alina Atzler nimmt uns wieder mit auf die Reise und verrät uns welche Bedeutung die indischen Hochzeitsrituale haben! Viel Spaß!

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So, es wird ernst, dachte ich. Ich habe die Nacht kaum geschlafen. Ich hatte die Bilder vom Vortag schon bearbeitet und wusste, dass der Wecker viel zu früh für meine Verhältnisse klingeln würde. Ich zog mein indisches Outfit an und es war noch stockfinstere Nacht draußen, als mich die Braut um 5.15 Uhr abholte. Der Tag startete für mich wie jede andere Hochzeit: mit dem Getting Ready der Braut.

Ich war nun 48 Stunden in Indien und kein bisschen weniger überwältigt von dieser für mich sehr fremden Welt. Ich hatte schon das Glück etliche Länder dieser Welt zu sehen, war in Malawi, fernab von irgendeiner touristischen Infrastruktur, aber Indien war noch einmal anders, intensiver. Ich erinnere mich an das Gefühl, an Menschen vorbeizufahren, die auf der Straße schliefen, Kühe, die nach etwas Essbarem suchten und dann in den Beauty Salon einzutreten. Ein krasser Kontrast, aber auch das ist Indien und so schwer das zwischendurch durch die präsente Armut fiel: ich wollte alles geben, um die nächsten 19 Stunden den wichtigsten Tag im Leben von Prajakta und Haiko fotografisch zu dokumentieren.

Das Getting Ready gab mir Sicherheit. Der Ablauf war identisch zu dem in Europa. Die Sonne ging auf, draußen erwachte das Leben und meine Vorfreude wuchs.

Das nächste Ritual wartete und wir fuhren zur Location. Übrigens eine andere als am Tag zuvor. Diese Location musste Platz für viel mehr Menschen zur Verfügung stellen. Die ersten Zeremonien fanden mit ca. 80 Gästen statt, der Empfang mit ca. 700.

Ab hier fotografierte ich jedoch nicht mehr alleine, sondern im Team. Keiner der Jungs sprach englisch, aber wir verständigten uns mit Händen und Füßen. Ganz ehrlich, der gegenseitige Respekt, den wir uns als unterschiedlich gebuchte Fotografen entgegenbrachten, war außergewöhnlich und hat das Fotografieren wirklich auf das nächste Level gehoben. Jeder einzelne der vier Fotografen gab mir immer Zeichen, wann etwas ganz besonders wichtig war. Dazu kamen die ganzen Familienmitglieder, die immer ‘Alina, Alina’ riefen, um mir zu sagen, wenn ich etwas auf keinen Fall verpassen durfte oder, weil viele Sachen gleichzeitig bei Braut und Bräutigam, aber eben seperat voneinander, passierten, führten sie mich von A nach B. Jeder einzelne hatte versucht, mir die bestmöglichen Rahmenbedingungen für Fotos zu schaffen.

Die Hochzeit begann mit einem ‘Worship of Lord Ganesh’, damit die Hochzeit ohne Probleme stattfinden kann. Dieses Ritual fand nur mit der Braut, ihren Eltern und einem Priester statt. In einer kleinen Ecke waren etliche Opfergaben aufgebaut und bis heute erinnere ich mich an die wirklich eindrucksvollen Gesänge des Priesters. Bei diesem Ritual waren übrigens die einzigen ‘Zuschauer’ die nicht indischen Gäste.

Lagna Muhurt

Hier sehen sich Braut und Bräutigam offiziell das erste Mal. Ein Tuch ist aufgespannt und Braut und Bräutigam stehen jeweils auf einer Seite. Die wichtigsten Familienmitglieder stehen nah beim Brautpaar und warten auf einen ganz bestimmten Zeitpunkt. Punkt elf Uhr (at the stroke of the Muhurt) ruft der Priester die letzten Verse des Mangalashtaka. Dies ist der wichtigste Moment: hier fällt das Tuch und das Brautpaar ‘sieht’ sich das erste Mal (der first Look sozusagen). Die umherstehenden Familienmitglieder werfen mit Reis, Blumen und heiligem Wasser. Das Brautpaar legt sich gegenseitig Blumenkränze um und dies gilt als erster Schritt in Richtung Ehe.

Ich war schweißgebadet. Die Zeremonie fand auf einer kleinen Bühne stand, alle drängelten sich Richtung Brautpaar, um den besten Blick zu erhaschen. Gleichzeitig wusste ich: je mehr Gewusel und je mehr Gemurmel, desto näher kamen wir dem Zeremonie-Höhepunkt. So war es auch. Als das Tuch zwischen Braut und Bräutigam herunterfiel, wurde es laut und die Gäste waren außer sich vor Freude.

Anschließend wechselten Braut und Bräutigam noch einmal die Kleidung (insgesamt sieben Mal, wenn ich richtig gezählt habe) und nach einem ausgiebigen Essen, folgte der Höhepunkt der Hochzeit mit einer Aneinanderreihung verschiedener Rituale.

Dies fand in einem kleinen ‘Pavillon’ statt. Braut und Bräutigam, sowie der Priester sitzen in dem Pavillon, die Gäste sitzen drumherum um von allen Seiten einen Blick auf das Brautpaar erhaschen zu können und zusätzlich positionierten wir Fotografen uns um die beiden herum. Das war der anstrengendste Part der Hochzeit und ich glaube, auch das Brautpaar war hier am Peak der Emotionen. Insbesondere der Bräutigam musste viele Sätze in Hindu nachsprechen, was teilweise zu Freudentränen und warmen Gelächter führte.

Kanyadan
In dieser Zeremonie übergibt der Vater die Braut offiziell an den Bräutigam. Der Bräutigam übernimmt die Hand der Braut und der Vater lässt heiliges Wasser über die Hände von Braut, Bräutigam und Brautmutter laufen.

Mangalsutrabandhan
Als nächstes legt der Bräutigam der Braut eine Halskette um. Dies ist als Zeichen mit unseren Ringen als Symbol der Ehe gleichzusetzen.

Saptapadi
Die sieben Runden, die das Brautpaar um das Feuer gehen muss und dafür betet, die sieben wichtigsten Grundlagen für die Ehe bereitzustellen: ‘food, strength, wealth, happiness, progeny, pleasure of enjoying various seasons and immortal friendship’.

Anschließend steht das Brautpaar sich gegenüber und berühren die Stirn des anderen. Dies symbolisiert, dass ab jetzt Entscheidungen zusammengetroffen werden.
Zum Abschluss der ‚Trauung‘ gab es wie bei uns Glückwünsche, Freudentränen und viele lachende Gesichter.

Das für mich spannendste bei diesen Ritualen: Trauungen sind in Deutschland still. Keiner spricht, außer der Redner, alle sitzen auf ihren Plätzen, wenn ein Kind weint, schämen sich die meisten Eltern und rennen raus. In Indien war das ganz anders. Dadurch, dass insbesondere dieses Ritual wirklich viel Zeit in Anspruch nimmt, holen sich die Gäste zwischendurch etwas zu Essen, trinken Tee, reden miteinander, lachen, rufen irgendwas in die Zeremonie. Der Priester selbst machte zwischendurch Selfies und alles war eine tolle Mischung aus traditioneller und lockerer Hochzeit.

Wann waren die beiden nun verheiratet? Ja, gute Frage. Was bei uns der Kuss ist, um die Ehe symbolisch zu besiegeln war bei dieser indischen Hochzeit eine Aneinanderreihung verschiedener Gesten. Das höchste an Intimität war jedoch die Berührung der Stirn.
Das war übrigens auch eine große Herausforderung für mich bei den Portraits. Meine Bilder leben sehr von Nähe und Berührungen. Ich schieße kaum ein Bild ohne dass meine Paare irgendwie Körperkontakt haben.
Zudem sind hier nicht die Ringe das Symbol der Ehe, sondern eine Kette.

Auch wenn ich meistens kein Wort verstanden habe, reichten Gesten um zu verstehen, worum es geht, was der Sinn eines jeden Rituals ist.
Ich habe eine große Faszination für Kulturen. Etwas, was über Jahrhunderte hinweg entstanden ist und immer noch Bestand hat, berührt mich einfach. Dieses Gefühl hatte ich die ganze Zeit auf der Hochzeit.

Am Abend gab es den Empfang. Das war das, wovon alle immer sprechen: sind bei indischen Hochzeiten nicht immer 1000 Leute? 1000 waren es nicht, aber etliche hunderte.

Der Empfang fand auf einem fußballfeldähnlichen Platz statt, der äußere Rand abgetrennt mit Tüchern und überall gab es Essen. Ich hatte Pause in dieser Zeit und konnte das herausragende Essen genießen. Meine indischen Kollegen dokumentierten über etliche Stunden hinweg Gruppenbilder: das Brautpaar stand auf der Bühne und nahm Glückwünsche entgegen. Anschließend wurde auf der Bühne ein Gruppenbild nach dem anderen gemacht. In Deutschland dauern die Gratulationen bei einer Gästeanzahl von 80 schon gute 30 Minuten, ihr könnt es hochrechnen, wie lange sich diese Gratulation hinzog.

Das Brautpaar kam erst spät in der Nacht in den Genuss ihres guten Buffets. Von Müdigkeit gezeichnet verlegten wir am nächsten Tag die Abschlusszeremonie um zwei Stunden nach hinten, sodass wir alle ein wenig mehr Schlaf bekamen.

*****

Vielen lieben Dank Alina für die wunderschönen Bilder und faszinierenden Einblicke in die indischen Hochzeitsbräuche. Ich bin unglaublich beeindruckt, wie Du es gemeistert hast, in Dir völlig fremden Abläufen die besonderen Momente dieses Tages festzuhalten! Chapeau! 

Ich freue mich schon auf morgen, wenn wir uns zum finalen Hochzeitstag aufmachen!

Pinar

 

 

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