Eine der wichtigsten und emotionalsten Feste vor der Hochzeit ist die Nacht, in der sich die Braut vom Elternhaus, aber insbesondere ihrer Mutter, verabschiedet – die sogenannte Kına gecesi.
Zu Beginn ein fröhliches Fest mit Tanz und Musik wird die Kına gecesi etwas traurig und melancholisch, wenn das Hennaritual beginnt. Hierfür zieht die Braut ein sogenanntes Bindallı – ein rotes, üppig verziertes, langes Gewand – an und bedeckt ihren Kopf mit einem roten Schleier. Die Farbe Rot symbolisiert Fruchtbarkeit und steht für Liebe, viele Kinder und Wohlstand.
Ursprünglich fand das Fest im Hause der Brauteltern statt und die Familie des Bräutigams schickte das Henna auf einem Silbertablett, geschmückt mit Kerzen, dorthin. Wenn alle Gäste Platz genommen hatten, wurde die Braut von ihren Freundinnen in den Raum geführt, wobei die Freundinnen
traurige Lieder (Kına türküleri) sangen. Anschließend wurde die Braut in der Raummitte auf ein Kissen gesetzt. Die Freundinnen tanzten um sie herum und sangen weiter traurige Lieder, die von Abschied und Trauer handeln. Die Braut sollte durch die melancholischen Worte zum Weinen gebracht werden, denn das brachte ihr Glück und Segen.
Heute ist der Ablauf von Region zu Region unterschiedlich doch die Hennabemalung ist gleich geblieben.
Traditionell wird Henna von einer jungen, glücklich verheirateten Frau in die Handflächen der Braut aufgemalt. Die Braut öffnet ihr natürlich nicht sofort die Hände und ziert sich, bis ihr die Schwiegermutter Goldtaler schenkt und dieses dann in die nun geöffneten Hände legt. Sind die Hände bemalt, werden weiße Tücher um die Hände gewickelt und die Braut darf den Schleier ablegen. Das restliche Henna wird an die Gäste verteilt, die ebenfalls ihre Handflächen bemalen und so von dem Glück der Braut etwas abbekommen.
Nach dem traurigen Teil wird das Fest, dank gutem Essen und fröhlicher Musik, sehr schnell wieder lebendig und die Gäste feiern bis in die späten Stunden.
Am gleichen Abend feiert der Bräutigam im Haus des Trauzeugen mit den männlichen Gästen sozusagen seinen Junggesellenabschied und erhält auch eine Hennabemalung. In der Regel wird beim Bräutigam der rechte kleine Finger bemalt.
Ursprünglich war es üblich, dass der Bräutigam bei der Henna Nacht der Damen nicht anwesend war, doch heutzutage kommt er meist zur Henna Zeremonie hinzu und erhält gemeinsam mit der Braut die Hennabemalung.
Früher wurde das Fest auf den Tag vor der Hochzeit gelegt und alle weiblichen Freunde, Verwandte und Nachbarn eingeladen. Doch dies hat sich im Laufe der Jahre geändert und die Henna Nacht findet inzwischen eher eine Woche vor der Hochzeit in einem kleineren Kreis, manchmal sogar mit Frauen und Männern gemischt, statt.
Auch die Trauer der Braut wird nicht mehr so ernst genommen. Kann die Braut partout nicht weinen, wird sie deswegen sogar gern von ihren Freundinnen auf den Arm genommen.
Bei der Bemalung mit Henna werden verschiedene Formen angewendet:
Sıvama: Die ganze Hand wird bis zum Handgelenk vollkommen bemalt
Yüksük: Die Fingerspitzen werden bemalt
Kuşgözü: Das Henna wird kreisförmig auf die Handfläche aufgetragen (meist gewählte Form)
İp kınası: Um die Hand wird eine Schnur gewickelt und dann das kına aufgetragen