Religiöse und Freie Trauung

Dini Nikahı bzw. Imam Nikahı

Für viele Paare ist auch die Eheschließung vor Gott ein wichtiger Moment. Die islamische Trauung, Imam Nikahı oder auch Hoca Nikahı genannt, wird von einem Imam/Hoca durchgeführt und findet entweder zu Hause oder in der Moschee statt. Für die Trauung müssen neben dem Imam/Hoca, das Brautpaar, zwei Trauzeugen und der Veli (Vormund der Braut, meist der Vater) anwesend sein. Bei den Trauzeugen als auch bei dem Veli ist auch zu beachten, dass sie männlich und Muslime sein müssen, geistig in der Lage sein müssen der Trauung zu folgen und vertrauenswürdige Personen sind.

Der Ablauf

Während der Trauung stellt der Imam/Hoca das Eheformular mit allen Angaben zu Braut, Bräutigam und Trauzeugen zusammen und vermerkt darin auch das Brautgeschenk (Mehir) und andere getroffene Vereinbarungen.
Nach einem Gebet klärt der Imam über die Rechte und Pflichten für die Familiengründung auf und frägt die Braut und den Bräutigam jeweils drei Mal, ob sie einander als Mann und Frau annehmen wollen und kein Zwang zur Heirat vorliegt. Anschließend stellt er den Trauzeugen drei Mal die Fragen, ob sie die klaren Aussagen bezeugen können. Haben alle mit ja geantwortet, unterschreiben der Mann, die Frau bzw. der Veli und die Trauzeugen das Eheformular.
Der Imam fragt nun die Frau, ob sie mit der Mehir einverstanden ist und wenn sie dies ebenfalls bejaht, unterschreibt auch der Imam das Eheformular. Zum Schluss wird ein Segengebet gesprochen.
Nach der Trauung ist es üblich mit dem Imam und den Gästen gemeinsam zu essen, wobei die Gästezahl bei der religiösen Trauung in der Regel sehr gering gehalten wird.

Es kann auch durchaus vorkommen, dass der Imam kein Eheformular erstellt und die Trauung nur mündlich durchführt und auch das Mehir nur mündlich zugesprochen wird. Dies rührt daher, dass vor Gott das mündliche Versprechen ausreicht und das Eheformular weder nach türkischem noch nach deutschem Recht eine bindende Urkunde ist, weshalb es also kein Muss ist.

Sehr wichtig:

Nach türkischem Recht darf ein Imam Nikahı nicht vor der standesamtlichen Trauung vollzogen werden. Der Imam muss sich die Rechtsgültigkeit der Ehe belegen lassen und darf erst dann das Paar trauen. Tut er dies nicht und das Paar ist noch nicht rechtlich getraut, machen sich alle Beteiligten strafbar und riskieren Strafverfolgung.
    

Freie Trauung

Besonders für interkulturelle Brautpaare ist das Bedürfnis sehr groß eine Trauungszeremonie durchzuführen, die beide Kulturen und Religionen beinhaltet. Aber auch türkische Brautpaare wünschen sich oft eine romantische Trauungszeremonie unabhängig von Standesamt und Imam Nikahı, in der sie sich das Jawort geben und ihre Liebe zelebrieren können.

Diesen Wunsch können sich Brautpaare mit einer „Freien Trauung“ erfüllen, die von Freien Theologen oder auch sogenannten Hochzeitsrednern durchgeführt werden. Diese sind unabhängig von ideologischen Verbänden oder kirchlichen Instanzen und werden nicht durch z.B. kirchensteuerliche Mittel, sondern durch ein Honorar vom Brautpaar bezahlt. Bei einer Freien Trauung kann der Inhalt und Ablauf der Zeremonie vom Brautpaar bestimmt werden und da die Trauung nicht an einen Ort gebunden ist, hat das Brautpaar auch die Möglichkeit an einem für sie ganz besonderen Ort getraut zu werden.

In persönlichen Gesprächen mit dem freien Theologen/Hochzeitsredner werden Ablauf und Inhalt der Zeremonie festgelegt und wenn gewünscht können auch religiöse Elemente eingearbeitet werden. Die Einbeziehung eines Pfarrers und Imams, in die Trauungszeremonie oder die Einbindung von Gebeten und Ritualen, wie das Anzünden einer Hochzeitskerze, ist ebenfalls möglich.

Soviel Freiheit bringt natürlich auch viel Planung mit sich. Das Brautpaar muss entschieden, wo und in welchem Rahmen die Freie Trauung stattfinden soll, wer eingeladen ist und welche Elemente oder Rituale in die Zeremonie einfließen sollen. Die getroffenen Entscheidungen sollten auch mit der Familie besprochen werden, um Konflikte zu vermeiden und sie frühzeitig einzubeziehen, wenn sie während der Zeremonie Aufgaben übernehmen sollen.

Tipps zur Gestaltung:
  • Wenn die Freie Trauung im Hochzeitssaal mit allen Gästen stattfinden soll, dann sollte das auch unbedingt in der Einladung stehen. Sonst kommen die Gäste zu unterschiedlichen Zeiten und stören im schlimmsten Fall noch die Trauungszeremonie.
  • Eine Trauung im Hochzeitssaal ist natürlich die kostengünstigste Version, denn Bestuhlung und Dekoration sind bereits vorhanden und die Zeremonie könnte z.B. am Hochzeitstisch (Gelin masasɪ) stattfinden. Wer es etwas feierlicher haben möchte, der kann auch auf der Tanzfläche eine Art Altar mit geschmücktem Rundbogen aufbauen, auf den alle Gäste einen guten Blick haben.
  • Ob für den Gang zum Altar oder während der Zeremonie selbst, Musik ist bei der Freien Trauung für die Untermalung der Zeremonie besonders wichtig. Wählt Lieder, die Eure Gefühle unterstreichen oder für Euch eine tiefere Bedeutung haben und arbeitet diese in den Ablauf mit ein. Eine Auswahl an guten Musikstücken findet Ihr auch in unserem Musikratgeber.
  • Bei einer längeren Zeremonie sollte man die Gäste mit einem Programmheft oder einer kurzen Agenda über den Ablauf informieren. Diese können auf die Sitzplätze gelegt oder auf den Tischen verteilt werden und können ganz einfach selbst hergestellt werden.
  • Natürlich kann die Freie Trauung auch vor dem Hochzeitsfest in einem kleinen, intimeren Kreis mit den engsten Familienmitgliedern und Freunden stattfinden – z.B. im eigenen Garten, im Park unter einem großen Baum, auf einem Blumenfeld oder sogar auf einem Boot, auf dem man dann mit den Gästen noch ein wenig umherfahren kann.