multikulturelle Hochzeit LogoDer multikulturelle Hochzeitsblog

Warum Hochzeitsfotos & Hochzeitsvideos unverzichtbar und ihr Geld wert sind!

16.06.2013 | 11 Kommentare

Hochzeiten kosten, sie kosten verdammt viel! Geld ist ein wichtiges aber auch schwieriges Thema bei Hochzeiten, denn es summiert sich alles so schnell und weil man ja zum ersten Mal heiratet, kann man die Preise auch gar nicht einschätzen und ist dann meist erst mal schockiert. Ich werde oft von Brautpaaren gefragt, was denn eine Hochzeit so kostet und was wichtig ist und was nicht. Die erste Frage ist schwierig, denn das Budget variiert je nach Hochzeitswunsch nach oben bzw. unten, aber die zweite Frage ist ganz einfach zu beantworten. Neben den elementaren Dingen wie Essen, Trinken und was hübsches zum Anziehen gibt es zwei Dinge auf die, meiner Meinung nach, kein Brautpaar verzichten sollte: Hochzeitsfotos & Hochzeitsvideo!

Warum? Nun, Hochzeiten sind etwas Besonderes und im Idealfall auch Einzigartiges. Heißt, der Moment kommt nie wieder und das wiederum bedeutet, der Moment sollte sehr gut festgehalten werden, denn selbst das schönste Brautkleid, die beste Deko und sogar die grandioseste Stimmung verblassen irgendwann in der Erinnerung. Vor allem aber rauscht das Hochzeitsfest an den meisten Brautpaaren nur so vorbei. Sie können nicht überall dabei sein, alles sehen und verpassen somit viele Eindrücke ihrer eigenen Hochzeit. Und hier kommen die Talente hinter der Linse ins Spiel. Sie fangen Ereignisse und Momente ein, zeigen Emotionen in erstaunlichen Bildern und geben damit die Hochzeit auf eine Art und Weise wieder, wie es keine Erinnerung kann. Und mal ehrlich: Erinnerungen kann man sich nicht an die Wand hängen oder Familien, Freunden und vor allem den eigenen Kindern zeigen. Sie lassen sich nicht greifen, nicht real hören und zeigen alles zu 100% wieder, wie es war. Deswegen sind Bilder und Videos unglaublich wichtig und sie sind es Wert, Geld dafür auszugeben. Leider ist das vielen nicht bewusst und daher entscheiden sich immer noch Paare dazu, nur wenig bis gar kein Geld für Foto bzw. Film auszugeben. Was fatal ist, denn ich kenne kein Brautpaar, das diese Entscheidung dann im Nachhinein nicht bereut hat.

Dabei überrascht es mich wirklich, dass das Thema Foto & Film von vielen Brautpaaren so vernachlässigt wird, denn viele bestaunen ja online die tollen Bilder und Videos, schwärmen davon und malen sich aus, wie es für sie sein könnte. Aber wenn es dann soweit ist, wird genau dort der Geldhahn zugedreht. Klar es ist alles eine Budgetfrage, aber ich sehe oft, wie bei Hochzeiten für viele wirklich nicht notwendige Dinge Geld ausgegeben wird, die gar nicht mal bemerkt werden. Doch was nützt es, sich monatelang aufzuarbeiten, einzuschränken und Geld auszugeben, wenn dann der große Tag gar nicht oder nur minimal auf Bilder gebannt wird? Was bringt es, wenn die Braut ein Kleid für 2.000€ trägt, aber es niemand inszeniert, man nicht mehr als ein paar  Bilder von sich im Brautkleid hat oder nur ein paar Potraitbilder aber kaum welche von der Feier und den fröhlichen Gästen?
Ist es nicht viel schöner emotionale Bilder zu haben? Oder auch ein cooles Video, das Euren Tag so wiedergibt, wie Ihr ihn erlebt und gefühlt habt? Ein Video, das man sich immer wieder ansehen möchte. Das man stolz Freunden, Familie, den eigenen Kindern zeigt und dabei wieder in die Atmosphäre dieses besonderen Tages eintaucht, die Stimmen der geliebten Menschen UND das Eheversprechen nochmal hört. In die Gedanken und Gefühle von damals zurück gebeamt wird, Bauchkribbeln bekommt und selig lächelnd einfach nur die pure Liebe und das Glück dieses Tages verspürt? Für manche mag das Luxus sein, für mich ist es die Würdigung eines ganz besonderen Tages.

Ich weiß, dass eine Hochzeit nicht günstig ist und ich sage auch nicht gibt ein Vermögen aus und verschuldet Euch dafür. Im Gegenteil, ich bin der Meinung man muss es nicht übertreiben, keiner braucht eine Hollywood-Hochzeit um glücklich zu werden, denn das ist man ja wegen dem Partner und nicht der Hochzeit. Aber ich bin für kluge Investitionen und “Nachhaltigkeit” und empfehle an den Dingen zu sparen, die zweitrangig und verzichtbar sind. Investiert dafür in die bleibenden, die greifbaren Dinge wie Foto und Film. Natürlich kosten diese auch Geld. Und das ist meist der Grund, warum viele davor zurückschrecken. Die meisten Brautpaare fallen vom Stuhl, wenn sie hören, das achtstündige Fotoreportagen kaum unter 1.500€ erhältlich sind, sogar 3.000€ oder mehr kosten können und Videos bei mindestens 2.000€ starten. „Wofür das denn? Das ist doch total übertrieben!“ sagen viele und haben oft das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden. Ich gebe zu, als ich als Hochzeitsplanerin anfing, habe ich es auch nicht verstanden, doch im Laufe der Jahre habe ich viele Foto- und Videografen begleitet und kann Euch sagen, es ist ein knochenharter Job und die Preise sind gerechtfertigt. Natürlich gibt es, wie in jeder Branche, viel Spielraum was die Preise betrifft und die “Stars” der Branche kosten natürlich, aber auch das ist legitim, wenn die Bilder/Videos es einem Wert sind.

Leider wird die Arbeit von Foto- und Videografen oft unterschätzt. Klar, auf den Webseiten und auf facebook sieht man sie an wunderschönen Orten, fröhlich bei der Arbeit, scheinbar easy klick-klick und alles ist fertig. Paradiesische Verhältnisse. In Wahrheit aber bedeutet es Arbeit auf höchster Konzentrationsstufe. Ständig auf den Beinen oder auch am Boden für gute Fotos, immer aufmerksam, um keinen besonderen Augenblick zu verpassen, am besten unbemerkt, denn so entstehen die besten ungestellten Aufnahmen. All dies ohne große Pausen, stets freundlich, voller Einsatz und das 10-16 Stunden an einem Tag. Aber danach geht es ja noch weiter, denn man muss noch  in stundenlanger Arbeit hunderte von Bilder sichten, aussortieren, bearbeiten, schneiden und und und…. All das kostet Zeit und auch wenn es natürlich Spaß bereitet (das sollte jeder Job), es ist nicht nur Vergnügen. Es ist Arbeit und jeder von uns möchte für seine Arbeit fair bezahlt werden, oder?
Und nicht nur die Arbeit will bezahlt werden, auch das drum herum. Viele Menschen haben inzwischen eine Spiegelreflexkamera oder auch nur ein Smartphone mit coolen Fotofiltern usw. und denken so schwer ist das gar nicht und es braucht nicht viel für den Job. Das wäre zu schön, wenn es so einfach wäre. Profikameras und das ganze Equipment kosten aber ein Heidengeld. Nicht ein paar hundert, sondern tausende Euros. Die Ausbildung oder auch Weiterbildungen kosten Geld. Marketing kostet Geld und auch Hochzeitsdienstleister müssen Dinge wie Miete, Essen, Krankenkasse, Vorsorge, Steuer usw. bezahlen. Um diese Kosten zu erarbeiten, haben sie aber meist nicht das ganze Jahr Zeit, sondern nur einige Monate im Jahr, in denen geheiratet wird – und sie können ja an einem Wochenende auch nur eine Hochzeit begleiten. Also kommen nur wenige Wochen im Jahr zusammen, an denen man sein Jahresgehalt zum größten Teil verdienen muss. So geht es nicht nur Foto- und Videografen, sondern auch vielen anderen Hochzeitsdienstleistern. Entsprechend müssen sie ihre Preise kalkulieren und glaubt mir, reich wird keiner davon.

 

Ihr merkt schon, mir liegt viel an diesem Thema, aber ich habe einfach schon so oft erlebt, dass sich Brautpaare wegen der Kosten dagegen oder für 08/15 Bilder entschieden haben und später traurig waren. Dabei gibt es Möglichkeiten richtig und effektiv zu sparen, um in Foto & Film investieren zu können. Nur mal ein paar Beispiele:
Der schnellste aber nicht sehr leichte Weg wäre natürlich die Gästezahl zu reduzieren – 10 Gäste weniger und Ihr habt schon ein nettes Sümmchen Erspartes zusammen. Eine einfachere Lösung wäre, die Trauzeugen einzubeziehen und offen zu sagen, dass man gerne einen Zuschuss für Foto/Film hätte. Die Trauzeugen werden dann schon kreativ und sorgen dafür, dass die engen Freunde Geld oder sogar den Fotografen schenken. Ihr könntet auch die Flitterwochen ganz oder nur klein ausfallen lassen und stattdessen zum 1. Hochzeitstag groß nachflittern. So bekommt Ihr tolle Aufnahmen und bis zum Jahrestag habt Ihr dann sicher hier und da Weihnachts- oder Urlaubsgeld bekommen und auch noch was weg gespart. Natürlich kann man auch einfach beim Menü sparen, solange die Gäste am Ende trotzdem geschmackvoll satt werden. Achtet z.B. darauf, dass Ihr ein saisonales Menü habt, um überteuerte Lebensmittel zu vermeiden. Wählt günstige Vorspeisen wie Suppe oder Salat, verzichtet auf teures Fleisch (Lamm, Ente und Kalb) und serviert als Nachspeise die Hochzeitstorte oder lasst Eure Tanten und Mütter ihre bekannten Süßspeisen backen und serviert ein Nachtischbuffet unter dem Motto „süße Familienzusammenführung“ :) – Auch wenn Ihr dadurch jeweils nur ein paar Euro einspart, kommt in der Summe auf jeden Fall einiges zusammen!

Wenn Ihr das Budget für Foto/Film zusammen habt, dann müsst Ihr es nur noch richtig investieren. Engagiert keine Dienstleister, die Euch Dumpingpreise anbieten, das kann und wird nicht gut gehen. Oft kommt das böse Erwachen später, wenn die Bilder schlecht oder nur in geringer Zahl vorhanden sind oder noch schlimmer, Euch nicht gehören und ihr für jedes Bild Geld hinlegen müsst.
Ein Profi verdient wirklich sein Geld und Ihr müsst ja auch nicht gleich den Star der Branche engagieren. Es gibt eine große Auswahl und junge Talente, kosten natürlich weniger als Profis, die schon lange dabei sind. Aber egal ob „jung“ oder „alt“, wichtig ist, dass die Arbeiten des Wunschkandidaten Euch umhauen, denn Ihr wollt ja keine „ja, passt schon“ Hochzeitsbilder, sondern „Oh mein Gott sind die der Hammer!“ Hochzeitsbilder, oder? Kurzum: Wenn Ihr schon Geld in die Hand nehmt, dann soll es sich natürlich auch lohnen, denn Qualität bedeutet in diesem Fall vor allem eines:

Besondere Bilder landen an Eurer Wand, andere im Keller.

Für die Füllung Eures Kellers braucht Ihr kein Geld ausgeben. Bevor Ihr also einen 500€ Fotografen engagiert und miserable Bilder habt, lasst es lieber gleich bleiben und zückt tatsächlich die Smartphones. Gut ist das auch nicht, aber immerhin kein verschenktes Geld.

Denkt daran, all die Fotoreportagen und Videos die wir auf Hochzeitsblogs und anderen Seiten bewundern können, sind entstanden, weil sich die Brautpaare dafür und für gute Dienstleister entschieden haben. Warum solltet Ihr Euch selbst so etwas Schönes verweigern? Ihr gebt Euch alle so viel Mühe für Eure Hochzeit, steckt enorm viel Geld, Zeit und Arbeit rein, da wäre es so schade, wenn Ihr Euch dieser wunderbaren Erinnerungen beraubt. Es ist Euer ganz besonderer, einmaliger, unwiederbringlicher Tag. Beschenkt Euch selbst dazu mit traumhaften Hochzeitsbildern und einem lebendigen Hochzeitsvideo. Ihr habt es Euch verdient und Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen!

Pinar

 

Bilder & Videos (von oben nach unten):
Pink Pixel  |  Licht Film  | dna photographers  |  Alper Tunc Films 
Gülten Hamidanoglu  |  Ewalis Emotions  |  Pink Pixel

Diese Artikel könnten Euch auch interessieren:

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  • Amato Prudente sagt:

    Dein Wort in Gottes Ohr!!!
    Genau aus diesem
    Grund biete ich keine hochzeitsvideos mehr an.
    Weil alle bei 1500€ (was eigtl. absolut unter dem eigtl.
    Preis/leistungsverhältnis liegt) denken: “Onkel Heinz
    Hat ja auch ne hd-Cam, dann filmt halt der”

    Mein Lieblingsspruch ist dann immer:
    Den Geschmack des Essens habt ihr und die Gäste nach 15 min vergessen. Das Video habt ihr in 15 Jahren noch.

    Hut ab!!!

  • Vadim Wiens sagt:

    Ich muss sagen Pinar hat es wirklich auf den Punkt gebracht!
    Ich hoffe nur das die zukünftigen Brautpaare sich diesen Text zu Herzen nehmen!

  • Fee Ronja sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Ein wahres Wort und ich hoffe das viele Paare mehr Wert auf gute Fotos legen und nicht zu sehr gerade an dieser Stelle sparen wollen.
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag :)

    Grüße Fee Ronja

  • ElHombre sagt:

    Die Ausführungen in dem Artikel halte ich für fragwürdig…

    Die wenigsten guten Hochzeitsfotografen (Videographen kenne ich leider zu wenige), deren Gehalt man hier rechtfertigen will, fotografieren nur Hochzeiten.

    Dementsprechend haben sie weitere Einnahmequellen.

    Ebenso hat ein guter Fotograf seinen Workflow optimiert, benutzt Lightroom & Co. und hat seine Standard-Presets, die er über die Bilder jagdt und vielleicht eine Handvoll Bilder für Prints, Portfolio etc. wird manuell in der Bearbeitung noch verfeinert.

    Somit bleibt die reine Nachbearbeitung bei einem Profi – auch bei ein paar hundert Bildern – die Sache von ein paar Stunden, vielleicht einem Tag.

    DVDs, Fotobücher usw. kosten ja eh immer nochmal extra.

    Und im Winter wird auch geheiratet. :)

    Somit kämen wir bei 52x 2.000 € im Schnitt (deswegen 52, da ich mal andere Projekte, die auch Geld bringen, damit ausschliesse) auf Einnahmen von 104.000 € im Jahr. und einen Stundensatz bei ca. 3x 8h Arbeit (ohne Akquise) je Projekt von über 83 €. Soviel kriegen nicht einmal Sachverständige (70 €) vor Gericht, geschweige denn ein Handwerkergeselle (11-16 €).

    Die meisten selbstständigen Dienstleister, die ich über die Firma beschäftige (süddeutscher Raum) liegen bei 30-35 €. Das wären dann ca. 70h Arbeit bei ca. 2.000 €, die ein Fotograf bringen müsste, also fast zwei Arbeitswochen. Halte ich für unrealistisch.

    Also bitte nicht auf so hohem Niveau jammern. Reich werdet ihr nicht, aber mehr als gut leben kann man davon durchaus.

    PS: Ich habe auch für meine Hochzeit einen guten Fotografen für über 2.000 € gebucht. Aber… das ist doch rechter Luxus.

  • pinar sagt:

    Liebe/r ElHombre,

    danke für Deinen Einwand und Deine Ausführungen, ich verstehe zwar was Du meinst, aber ich kann Dir nicht ganz zustimmen.

    Ich spreche nämlich durchaus von Dienstleistern, die ausschließlich Hochzeiten machen, weil sie sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben (was auch sehr wichtig ist). Daher haben diese Foto/Videografen kaum andere Einnahmequellen, außer vielleicht Engagement Shoots oder ähnliches, was aber nicht ansatzweise dem Budget von Hochzeitsfotos nahe kommt. 52 Wochen im Jahr sind deshalb leider auch nicht richtig – auch wenn man noch so jeden Kleinauftrag hinzurechnen würde. Die Hochzeits-Hochsaison ist von frühestens April bis maximal Oktober, in den anderen Monaten finden nicht halb so viele Hochzeiten statt, erst recht nicht im Winter. Die Monate Dezember und Januar kann man eigentlich sogar komplett streichen und auch Selbstständige möchten mal in Urlaub gehen. Realistisch wären also maximal 42 Wochen im Jahr.

    Natürlich erfindet man mit jeder Hochzeit nicht das Rad neu und verwendet entsprechende Programme und Presets, aber wirklich gute Hochzeitsfotografen (und nur von denen rede ich) haben einen sehr hohen Anspruch an ihre Arbeit und fahren deshalb nicht einfach einmal mit der Schablone drüber und fertig. Auch sind es auf keinen Fall gerade einmal eine Hand voll Bilder, die intensiv bearbeitet werden und noch weniger ist alles an einem Tag erledigt. Bitte seid vorsichtig mit solchen Behauptungen, denn sie stimmen schlichtweg nicht für anspruchsvolle Fotografen und nur von denen ist hier die Rede.

    Bei der Berechnung des Stundensatzes werden von Dir wichtige Zeiten ausgelassen und als Selbstständiger muss man in den Stundensatz neben „Kundenarbeit“ auch Stunden für Marketing, Verwaltung usw. einrechnen, da diese Arbeiten ja auch keine Hobbys oder Freizeit darstellen.
    Die Akquise beispielsweise nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Damit meine ich nicht nur das Marketing oder Zeiten, wo man sich vergebens mit Brautpaaren getroffen und Zeit investiert hat, sondern auch die Treffen und Telefonate mit den Brautpaaren, die einen gebucht haben und betreut werden wollen. Auch die An- und Abreisezeiten darf man nicht außer Acht lassen, denn oft muss man am Vortag schon anreisen oder am Samstag sehr früh raus, weshalb man am Vortag keine großen Aufträge annehmen kann (auch wenn man wollte). Deshalb sind Deine 24 Stunden pro Auftrag schon sehr knapp berechnet, mind. 35 mit Vorgesprächen, An- und Abfahrten, Fotografieren, Nachbereitung usw. wären realistischer.
    Aber auch wenn die 24 Stunden stimmen würden, ändert es nichts an der Tatsache, dass man nun mal in einer Woche nur eine Hochzeit als „Großauftrag“ annehmen kann und dementsprechend auch seine Verwaltungsarbeit und das nötige Einkommen zum Leben in diese 24 Stunden kalkulieren muss, weil eben nicht mehr reinkommt. Auch wenn man die ganze Woche ohne einen freien Tag arbeiten würde, um andere Aufträge wie Engagement Shoot o.ä. anzunehmen, ginge auch das nicht unendlich, denn Betreuung und Nachbearbeitung nehmen einfach viel Zeit in Anspruch.
    Der Vergleich mit Sachverständiger und Handwerker hinkt deshalb also etwas, weil sie weitaus mehr Aufträge in einer Woche annehmen können, da sie eben nicht nur an einem Samstag einen Kunden haben…

    104.000€ klingt natürlich erst mal ganz toll, nur leider sind es eben bei dem Großteil keine 104.000€, da keiner 52 Wochen oder meist auch keine 42 Wochen ausgelastet ist oder 2000€ verdient.
    Aber auch wenn dem so wäre geht davon ja noch einiges weg, wie z.B. 19% Umsatzsteuer. Da liegen wir schon „nur“ noch bei knapp 87.400€. Davon darf man als Selbstständiger Gewerbesteuer und Einkommenssteuer bezahlen. Selbst wenn man großzügig abzugsfähige betriebliche Ausgaben voraussetzen würde (wobei vieles wie KV, RV nicht abzugsfähig sind) und den niedrigsten Hebe- und Steuersatz anwenden würde, müsste man immer noch mindestens 30.000€ Abgaben zahlen. Von dem was übrig bleibt, muss man dann Krankenversicherung, Rentenversicherung und Rücklagen für Ausfallzeiten, Anschaffungen, Weiterbildung usw. zahlen, was einen richtigen Batzen Geld ausmacht. Arm ist man deshalb nicht, aber auch nicht reich und ein gutes Leben sei jedem gegönnt, der etwas dafür tut.

    Zum Schluss: Gejammert wird hier nicht, zumindest war das nicht die Absicht. Ich wollte eher ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Foto & Film schaffen und sagen, dass man sich nicht von den Preisen abschrecken lassen darf. Ich habe nie gesagt, dass Foto/Videografen am Hungertuch nagen oder über deren geringen Lohn gejammert. Ich habe versucht verständlich zu machen, das der Foto/Videograf aufgrund seiner Spezialisierung eben nicht viele Aufträge annehmen kann und das die Zahl auf der Rechnung nicht 1:1 das ist, was ihm bleibt, wodurch ein Großteil der Preise nachvollziehbar werden. Klar ist nach oben immer Luft, so ist das in jeder Branche und auch hier zahlt man ab einem gewissen Level den Namen mit, aber in dem Fall ist selbst das legitim, wenn man dann (aus eigener Sicht) die Bilder/Video bekommt, die man sonst nirgends anders bekommt.

    LG, Pinar

  • silberbraut sagt:

    Hmm, also ich muss sagen, ich finde das doch ziemlich schwarz-weiß gemalt. Wenn man das Ganze realistisch betrachtet, gibt es mit Sicherheit Low-Budget Fotografen die sehr gute Bilder machen und hochpreisige Fotografen, die Ihr Geld nicht wert sind. In meinen Augen ist es vielmehr eine Sache der Absprache und Komunikation vor der Hochzeit.

    Die Tipps mit dem Einsparen der Gäste (sie gehören genauso zur Feier dazu, verschönern den Tag und außerdem will man ja auch den Moment genießen und mit allen Freunden und Lieben teilen) oder das Ausfallenlassen der Flitterwochen finde ich eher befremdlich.
    Ich bin absolut kein Freund davon, dass Billigste vom Billigsten zu kaufen, aber das Teuerste muss auch nicht das Beste sein!! Ich denke, dies trifft doch auf Lebensbereiche zu.

    Am Ende muss es natürlich jeder für sich entscheiden, was er möchte und was preislich realisierbar ist, aber ein Kategorisieren in solchen einseitigen Denkmustern ist sicher nicht hilfreich.

  • pinar sagt:

    Liebe silberbraut,
    vielen Dank für Dein Kommentar und Du hast vollkommen Recht, teuer heißt nicht gleich gut oder gar besser. Es gibt natürlich viele junge Talente da draußen, die zu zu niedrigen Preisen ihre Arbeit anbieten – weil sie natürlich ihr Portfolio erweitern möchten oder noch nicht so lang dabei sind. Das ist ok und wenn die Arbeit gut ist, empfehle ich diese Talente natürlich auch, insbesondere Brautpaaren die kein großes Budget haben. Aber auch sie werden für eine 8 stündige Reportage nicht nur 500€ verlangen, denn das wäre einfach unterbezahlt, davon kann wirklich keiner leben.
    Was die Einsparungen angeht, gibt es natürlich noch viele andere Möglichkeiten und das Beispiel mit den Gästen habe ich ja selbst als schwierig bezeichnet. Das später flittern machen viele Brautpaare, allein schon weil viele der Wunschziele am besten in unserer Winterzeit bereist werden können.

    Es mag sein, dass ich es schwarz-weiß male, aber ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, dass die Brautpaare für vieles das vergänglich ist Geld ausgegeben und die Bilder vernachlässigt haben und später schwer enttäuscht waren. Natürlich kann man auch mit wenigen guten Bildern glücklich werden, aber auch wenn es nur für 3-4 Stunden ein Fotograf sein soll, dann bitte einen (guten) Profi buchen und vielleicht ein, zwei Euro mehr ausgeben als für den vermeintlichen “Schnäppchen”-Fotografen. Ich habe noch nie die Erfahrung gemacht, dass bei einem Schnäppchen alles gut gegangen ist und ich bin jetzt schon einige Jahre dabei….

    Ich will nur aufklären und von meinem Wissen etwas abgeben, aber Du hast vollkommen Recht, dass jeder es selbst wissen muss, was ihm wichtig und vor allem für ihn möglich ist.

    Liebe Grüße, Pinar

  • ElHombre sagt:

    Hallo Pinar,

    ich weiss durchaus, dass Akquise, Urlaub, Krankheit, Vorsorge etc. alles zu dem dazukommen, was das Leben eines Selbstständigen ausmacht.

    Ich habe es “einfach” gehalten, da ich sonst ewig weit hätte ausholen müssen.

    Aber wie bereits erwähnt, beschäfte ich selbst Selbstständige, die zwischen 30-35 € am Markt verlangen, sogar Techniker verlangen bei uns ca. 40 € die Stunde.

    Davon haben sie auch alles zu tragen… z. B. sehr sehr kostpielige CAD-Programme, Schulungen etc.

    Dieser Vergleich ist glaube ich am sinnvollsten.

    Und auch der angestellte Handwerker hat von seinen 11-16 € Sozialabgaben und Steuern abzuführen und heutzutage noch für sein Alter zurückzulegen. Frage mich selbst, was sich der Staat und die Wirtschaft da zusammenreimt. Das geht nicht mehr. :(

    Das wären einfach bei ca. 1500-2500 € entsprechend ca. 50-80 Stunden Arbeitseinsatz eines Fotografen, wenn er sich in dem Rahmen eines “normalen” Selbstständigen bewegt. Das kann und wird er kaum bringen.

    Auch halte ich es für sehr idealistisch zu behaupten, dass jedes Foto einzeln retuschiert wird. Ich fotografiere auch als Hobby und habe einen guten Workflow. Das Retuschieren muss nicht bei jedem Foto so sein, zudem hat man Presets und Actions, die einem die meiste Zeit einsparen. Die Vorselektion einer Hochzeit sollte in 30-60 Minuten gemacht sein, dann folgt ein Tag Bearbeitung, was ich durchaus für realistisch halte, wenn man sich nicht “verkünstelt”, was mir auch oft passiert, aber nicht unbedingt notwendig ist, um gute Fotos zu machen, da die eigentliche Arbeit an der Kamera passieren sollte.

    Wie oft sehe ich hochgelobte Fotografen, bei denen ich auf einen Blick sehe, dass da das Preset einer bekannten Preset-Seite drübergelegt wurde und ein vermutlich schlecht belichtetes Bild gerettet wurde.

    Ich will damit andeuten, dass Hochzeits-Fotografen durchaus eher zu den besser bezahlten Dienstleistern gehören.

    Wenn sie eine respektable Leistung erbringen, ist das ok. Mich stören nur diese dauernden Hinweise auf die Kosten etc. Denn dauernd findet man diese Artikel oder Bilder im Netz mit lustigen Kostenaufschlüsselungen etc.

    Es gibt hier übrigens auch Fotografen die seit vielen Jahren mit einer guten Qualität für 1.000 € eine ganze Reportage machen und davon gut leben können (Haus, Familie etc.).

    Wie bereits erwähnt habe ich für meine Hochzeit auch einen guten und mit 2.000 € “teuren” Fotografen bezahlt, weil es mir das wert bzw. wichtig war, genau das zu erhalten, was ich mir vorstelle. Hier war der Stil ausschlaggebend. Statt dem Qualitäts-Serienwagen sozusagen die getunte Ausführung. :)

    Es hat sich einfach seit Jahren einer immer größere Industrie um Hochzeiten herum entwickelt, ganz nach ausländischem Vorbild und die Fotografen ziehen nun seit ein paar Jahren nach. Das sei ihnen gegönnt.

    Was ich persönlich übrigens gut fände, wären eine stärkere Transparenz bei den Preisen (hier wird immer bis zum direkten Kontakt per Mail usw. so getan, als ob es ein Staatsgeheimnis wäre – bitte auf der Website angeben!!! das erspart einem gestressten Brautpaar viel Zeit und Mühe) und mehr Dienstleistung… eine schnell gemachte DVD der Bilder extra bezahlen geht mal gar nicht. Und was auch interessant wäre im Portfolio: Mal nicht nur die Eye catcher, die man einmal alle paar Hochzeiten erlebt, sondern auch die Standard-Bilder von der Feier, damit man als paar einen besseren Eindruck von der Arbeit des Fotografen erhält.

    Viele Grüße

  • pinar sagt:

    Liebe/r ElHombre,

    ich glaube wir haben da unterschiedliche Sichtweisen und vor allem Herangehensweisen was die Berechnung des Gehalts angeht. :)
    Während Du berechnest wie viel Stunden ein Fotograf arbeiten müsste, damit es gerecht wird im Vergleich mit anderen, versuche ich verständlich zu machen, dass man den Stundensatz an den möglichen Kapazitäten ausrichten muss. Vor allem aber rede ich davon, keine Dumpingpreise zu erwarten, was leider immer noch viele tun.
    Über den Arbeitsaufwand und die Arbeitsweise von engagierten Fotografen werden wir uns wohl nicht einig werden, aber müssen wir auch nicht. Ich arbeite schon viele Jahre in dieser Branche und habe oft am eigenen Leib die Erfahrung gemacht, dass die Arbeit unterschätzt wird, daher würden wir uns in dieser Sache wohl im Kreis drehen und dafür ist doch das Wetter grad zu schön oder? :)

    Das sich eine Industrie gebildet hat mag sein, wo Nachfrage ist entstehen Angebote und auch wenn in Deutschland vieles (auch außerhalb der Hochzeitsbranche) nicht gerade günstig ist, von amerikanischen Hochzeitsverhältnissen sind wir glücklicherweise noch Meilen entfernt und das ist auch gut so.

    Was die Transparenz angeht, kann ich Deinen Unmut absolut verstehen nur denke ich, dass die Dienstleister sich eben davor “fürchten”, dass die Brautpaare abgeschreckt werden und man gar nicht die Möglichkeit hat sich oder seine Preise zu erklären.

    Liebe Grüße, Pinar

  • Patrick sagt:

    Vielen Dank für deinen Artikel!
    Was du schreibst ist wichtig und richtig.
    Gruß
    Patrick

  • Blancheneige sagt:

    Hallo Pinar,

    ich finde es ausgesprochenen Luxus, sich in einer Branche wie der Photographie ausschließlich auf Hochzeiten zu spezialisieren. Natürlich muss man, wenn man dies tut, entsprechende Preise verlangen – ist niemand bereit, diese zu zahlen, weil auch junge Hobbyphotographen gute Bilder machen, ist man meiner Meinung nach “selbst schuld”.
    Wesentlich sinnvoller wäre es, die verbleibenden Wochen im Jahr mit einer weiteren erwerbsbringenden Tätigkeit zu füllen. Von daher sehe ich die Herangehensweise an die Berechnung des Gehalts von ElHombre definitv als gerechtfertigt an.

    Grüße,
    Blancheneige