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Kann ich, darf ich, wie soll ich? Antworten auf Eure Hochzeitsfragen!

18.01.2015 | 0 Kommentare

Jede Woche erreichen mich E-Mails mit Fragen zu Hochzeitsplanung, Traditionen und vor allem wie man “typische Probleme” bei türkischen Hochzeiten umschiffen kann. Meist sind es die gleichen Fragen, die jedem türkischen oder binationalen Brautpaar im Kopf schwirren und so dachte ich mir, ich schreibe Euch hier regelmäßig die häufigsten Fragen und meine Antwort dazu auf, damit alle was davon haben. Also, los geht’s!
 

Muss ich jeden Brauch aus der Kultur meines Partners übernehmen oder “darf” man auch etwas weglassen?
Da es bei dieser Frage meist nicht nur um Hochzeitsbräuche, sondern auch generelle kulturelle Elemente ging, teile ich die Antwort auf.

Hochzeitstraditionen – Es gibt Traditionen, wie z.B. die Kιna gecesi oder auch die Brautabholung, die man nicht übernehmen braucht, wenn man selbst nicht Türkin ist (aber durchaus übernehmen kann, wenn man großen Gefallen daran findet). Darüber hinaus stellt sich die Frage welche Tradition ist dem Partner selbst wichtig und welche den beiden Elternpaaren. Hat man die wichtigsten Traditionen bestimmt und sich mit deren Sinn beschäftigit, dann sollte jedes Brautpaar für sich besprechen, ob und wie man die Bräuche übernehmen und wie man die Hochzeitsstile beider Kulturen harmonisch vereinen will. Setzt Euch dafür zuerst zu Zweit zusammen und geht von A-Z alles durch. Und ich meine Alles. Von den Inhalten, dem Tagesablauf, dem Hochzeitstil, das Essen, die maximale Gästezahl, welche Freunde/Familienmitglieder sollen wie beteiligt werden, wo seid Ihr bereit Kompromisse zu machen, was könnte für Eure Eltern problematisch werden und wie wollt Ihr darauf reagieren und und und. Das ist wichtig, denn Eure Eltern und Familien werden viele Fragen stellen und auch viele eigene Meinungen haben, die aus ihrer Sicht die besten sein werden und hierauf müsst Ihr beide als Einheit reagieren. Solange Ihr Euch noch nicht alles zurecht gelegt habt, könnt Ihr auf Fragen immer antworten: „ach, ist ja noch so lange hin, da mach ich mir noch keine Gedanken, aber gut das du es erwähnst“. 
 
Kulturelle Elemente – Auf die Frage welche Teile man aus der Kultur des Partners übernehmen “muss” gibt es keine richtige Antwort, denn sie hängt von Euch und Eurem Partner ab. Ich war selbst in einer deutsch-türkischen Beziehung und kann hierzu nur einen Tipp aus meiner persönlichen Erfahrung geben: In Sachen Kultur und Brauch würde ich Euch empfehlen, mich nie zu fragen, ob ich etwas weglassen “darf”, sondern ob ich es “soll” und wirklich unbedingt “will”. Man liebt ja einen Menschen in seinem Ganzen und dazu gehört eben auch die Kultur, die ihn geprägt und zu dem Menschen gemacht hat, in den ich mich verliebt habe. Auch seine Eltern, seine Familie und ihre Art zu leben gehören dazu und so muss man sich einfach bewusst sein, dass Traditionen und Bräuche aus der Kultur meines Partners mir nicht nur zur Hochzeit, sondern auch danach in unserem ganzen gemeinsamen Leben begegnen werden. Die andere Kultur wird also  durch den Menschen an meiner Seite logischerweise auch ein neuer Teil meines Lebens werden und diesen Teil auszublenden oder gar abzulehnen wäre fatal. Daher lebe ich nach dem Prinzip: solange ein Brauch mir persönlich nicht schadet, mich nicht in meiner Persönlichkeit begrenzt, begegne ich diesem immer offen und tolerant und teile ihn bewusst mit dem Menschen den ich liebe.      

Um unsere Hochzeit nach unseren Vorstellungen zu planen, möchten wir sie selbst finanzieren, wie bringen wir das den Eltern am besten bei?
Dies ist eines der Probleme, die mir persönlich die größten Bauchschmerzen bereiten, da es nicht einfach zu lösen ist. So sehr ich verstehe, dass die heutigen Brautpaare alles selbst planen und entscheiden wollen, so ist es nunmal eine Tatsache, dass die meisten Eltern noch in alten Traditionswerten stecken. Dazu gehört, dass die Eltern die Hochzeit des Kindes ein Leben lang herbei sehnen und es als eine Lebensaufgabe verstehen, ihre Kinder gut zu verheiraten und ihnen den Start in das neue Leben finanziell zu ermöglichen. Entscheidet sich also ein Brautpaar gegen die Einbeziehung der Eltern, sei es in finanzieller oder auch organisatorischer Hinsicht, dann werden die Eltern sicher am Boden zerstört sein und sich ihrer Lebensaufgabe beraubt fühlen. Es sind ja im Grunde auch ehrbare Werte und man muss einen guten Mittelweg finden, wenn man vermeiden will, die Eltern zu verletzen. Bezieht sie soweit es Euch möglich ist mit ein, klärt was ihnen wirklich wichtig ist und lasst Sie einen bestimmten Teil, z.B. das Essen oder Eure Flitterwochen zahlen. Begründet Eure Entscheidung selbst zu zahlen, nicht einfach mit “wir wollen nach unseren Vorstellungen feiern” sondern sagt ihnen, dass ihr dankbar für das Geld seid, aber lieber wollt, dass sie es für sich als Altersvorsorge aufbewahren oder später wenn Kinder kommen und man da mal Hilfe braucht, es eine gute Unterstützung wäre. Bietet Ihnen Alternativen, aber bitte entsagt ihnen nicht einfach die Teilnahme.

Wie mache ich den Gästen klar, dass man nicht (wie sonst üblich) andere Gäste mitnehmen darf?
Hier gibt es verschiedene Wege, sei es im Einladungstext mit den Worten “kleine familiäre Feier” oder “im engsten Familienkreis” den Wink mit dem Zaunpfahl einzuarbeiten oder man legt eine Antwortkarte bei, in der man ankreuzen muss “wir kommen alleine” oder “wir bringen unsere X Kinder mit”. So versteht jeder, dass außer den Kindern sonst keiner zusätzlich eingeladen ist. Außerdem kann man auf das Briefkuvert nur die beiden Namen der Eingeladenen schreiben und nicht, wie früher üblich, Familie XY. Aber vor allem würde ich in Gesprächen mit der Familie immer wieder die Info streuen, dass man selbst leider nicht jeden einladen konnte und daher das Mitbringen von Gästen nicht möglich ist. Auf den türkischen Familien-Flurfunk ist immer Verlass und so wird sich diese Information dann auch gut verbreiten :)

Wie vermeiden wir, dass die Gäste zu spät kommen und das Programm – vor allem die Menüfolge – durcheinander bringen?
Auch hier muss man sich wieder an der Einladung und dem Familien-Flurfunk bedienen. Bei der Einladung empfiehlt es sich eine Uhrzeit anzugeben, die den Einlass zum Saal angibt (kann man auch als Empfang oä betiteln) und eine zweite Uhrzeit, die explizit die Uhrzeit des Essens angibt (siehe dazu auch unsere Einladungstexte). Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch hier auf der Antwortkarte zur Wahl stellen, ob man zum Essen kommt oder nicht, dann dürfte jeder verstehen, dass es sich um ein wichtiges Detail handelt.

Wie lange darf das Essen dauern und sind Reden, wie bei deutschen Hochzeiten, in Ordnung?
Natürlich sind Reden in Ordnung und auch eine schöne Erinnerung, daher immer her damit! Wichtig wäre, dass man sie in der Sprache hält, die ein Großteil der Gäste versteht oder sonst für eine Übersetzung sorgt. 
Das Essen selbst sollte nicht zu lange dauern, denn solange man isst, kann man nicht tanzen und das ist für den türkischen Gästeanteil sehr langweilig. Feiern und tanzen ist ihnen einfach wichtiger und daher solltet ihr zwischen den Gängen einfach nicht zu viel Zeit lassen oder das Essen richtig lang ausdehnen und mit zwischenzeitlichen Tanzeinlagen füllen.
 

So, dass waren die ersten Fragen & Antworten und ich hoffe damit sind schon mal einige Fragezeichen weniger auf Eurer Liste. Falls Ihr zu den oben behandelten Themen noch Fragen habt, dann einfach ins Kommentarfeld eintragen und ich antworte dann schnellstmöglich dazu. Beim nächsten Mal geht es dann um das Handling der Geschenkübergabe (Takι), Kinder auf Hochzeiten und andere Themen. Schönen Sonntag Ihr Lieben!

Pinar

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