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Türkischer Hochzeitsbrauch: Gelin Hamamι

11.10.2010 | 0 Kommentare

Es gibt Bräuche, bei denen ist es wirklich schade, dass sie nicht mehr gelebt werden. Dazu gehört aus meiner Sicht das Gelin Hamami, ein Ritual bei dem die Braut und ihre weiblichen Angehörigen und Freundinnen gemeinsam ins Hamam gingen, um sich für die Hochzeit zu waschen. Natürlich mit viel Gesang, Tanz und Spaß!

Die Tradition des Gelin Hamami (Gelin Hamamι)

Ursprünglich luden die Bräutigamfamilie am Tag vor der Kına Gecesi, die Braut und ihre engsten weiblichen Verwandten und Freundinnen zusammen mit ihren eigenen weiblichen Verwandten ins Hamam ein. Die Braut erhielt von der Bräutigamfamilien ein Bohca als Geschenk in dem alle Hamam Utensilien, die sie benötigen würde enthalten waren (Seife, Hamam-Tasse, Handtücher, Hamam-Tuch, Henna für die Haare usw.). Die Gäste erhielten zur Begrüßung im Hamam als Geschenk und Einladung zur rituellen Waschung eine edle Seife.

War die Familie des Bräutigams wohlhabend so wurde das ganze Hamam oder ein Teilbereich allein für die Gäste gemietet, reichlich Essen serviert und Musikantinnen engagiert. Nachdem die Braut mit Musik und Gesang von den Gästen in das Innere des Hamams geleitet wurde, wurde dort gefeiert, gesungen und getanzt. Im Mittelpunkt stand natürlich die Braut und ihre rituelle Waschung durch ihre weiblichen Angehörigen. Sie wuschen der Braut die Haare und reinigten sie mit Wasser, wobei natürlich melancholische Lieder über die Trennung von der Familie nicht fehlen durften. Jedoch war es wichtig, dass die Braut nur von glücklich verheirateten Frauen gewaschen wurde, damit ein Teil ihres Glücks auf die Braut überging. Anschließend wurden alle Frauen gewaschen um danach im Ruheraum gemeinsam bei einem Snack zu entspannen – im Sommer mit Obst und im Winter mit Süßspeisen. Diese Feier dauerte meist bis in die Abendstunden und die Bademeisterinnen erhielten von der Bräutigamfamilie für Ihre Mühen ein üppiges Trinkgeld.

Übrigens: Auch der Bräutigam besuchte mit seinem Trauzeugen und männlichen Verwandten vor der Hochzeit ein Hamam. Früher war das der Tag nach dem Henna Abend, also am Hochzeitstag.

Gelin Hamami heute

Der Brauch des Gelin Hamamı ist heute kaum noch präsent, zumindest in seiner tradtionellen Version. Das liegt unter anderem auch daran, dass das Gelin Hamami ein teures Ereignis ist, welches sich nicht jede Familie leisten konnte. Heute wird besonders in Großstädten das Gelin Hamami eher als “Event” angepriesen, eine Art Junggesellinnenabschied im besonderen Rahmen. Der Gästekreis ist immer noch beschränkt auf enge Verwandte und Freunde der Braut- und Bräutigamfamilie, aber wie es sich für ein Event gehört werden kleine personalisierte Geschenkpakete mit Seife, Shampoo, Hamam-Tuch o.ä. an die Damen übergeben. Auch für Musik wird gesorgt und so feiern die Damen einen ausgelassenen Nachmittag wie früher. Nur von der traditionellen Waschung der Braut und den gesungenen Liedern ist leider nichts geblieben…

 

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